Allen Unkenrufen eines wachsenden Egoismus zum Trotz: Über ein Drittel der Menschen in Bayern über 14 Jahren engagieren sich für ihr Gemeinwesen und ihren Nächsten. Der Freiwilligensurvey von 2004 konnte dies bereits belegen. 2009 wurden erneut insgesamt 20.000 Personen im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend befragt. Die von TNS Infratest durchgeführte repräsentative Untersuchung belegt: Das Engagement der Bundesbürger bleibt auf einem hohen Niveau. Besonders erfreulich: Das Engagement der Über-50-jährigen wächst deutlich.
Untenstehende Ergebnisse stammen aus einer Sonderauswertung für Bayern aus dem Freiwilligensurvey 2009, die das Bayerische Staatsministerium für Arbeit, Sozialordnung, Familie und Frauen in Auftrag gab.
Nach den Umfragen 1999 und 2004 kann mit der Auswertung von 2009 erstmals über einen
Zeitraum von 10 Jahren die Entwicklung des freiwilligen Engagements in
Deutschland beschrieben werden. Einen Kurzbericht des 3. Freiwilligensurveys mit ersten
Handlungsempfehlungen bietet der Monitor Engagement. Der Gesamtbericht zum 3. Freiwilligensurvey steht auf den Seiten des
Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und kann hier heruntergeladen werden.
▼ Engagementquote
▼ Engagement und Engagementbereitschaft
▼ Engagement und Engagementbereitschaft nach
Alter
▼ Engagement und
Engagementbereitschaft nach Geschlecht
▼ Engagementbereiche
▼ Organisationsformen freiwilliger Tätigkeit
▼ Zeitaufwand
▼ Erwartungen
an das Engagement
▼ Wünsche an die
Organisationen
▼ Wünsche an den Staat
/ die Öffentlichkeit
Der bundesweite Freiwilligensurvey 1999 bis 2004 kann in verschiedenen Fassungen als pdf-Datei auf den Seiten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend heruntergeladen werden.
Der
Freiwilligensurvey 2009 zeigt, dass die Engagementquote in Bayern in
den vergangenen zehn Jahren mehr oder weniger auf einem gleich hohen
Niveau geblieben ist. Angesichts des durch engagementwidrige Umstände,
wie zum Beispiel die Wirtschaftskrise, erwarteten Rückgangs der
Engagementzahlen ist es positiv zu werten, dass Bayern für 2009 eine
Engagementquote von 36,27 % (verglichen mit 36,99 % in 2004)
aufweist. Damit entspricht die Engagementquote in Bayern genau dem
bundesweiten Durchschnitt.
Erfreulich ist der klare Rückgang der
Anzahl von Personen, die weder gemeinschaftlich aktiv noch freiwillig
engagiert sind. Hier zeigt sich im vergangenen Jahrzehnt ein klarer
Trend: 1999 waren es noch 31 %, die weder gemeinschaftlich aktiv noch
freiwillig aktiv waren, 2004 waren es 30 % und 2009 sank diese Zahl
nochmals um zwei Prozentpunkte auf 28 %. Dieser Rückgang verlief
zugunsten einer zunehmenden Anzahl von Personen, die gemeinschaftlich
aktiv sind. Das ist auch eine gute Nachricht, weil Menschen, die
gemeinschaftlich aktiv sind, durch die Gemeinschaft häufig einen Anstoß
erfahren, sich auch freiwillig zu engagieren. Gestützt wird der Trend
zu mehr gemeinschaftlich Aktiven durch eine ähnliche Entwicklung auf
Bundesebene.
Die Antworten auf
die Frage nach der Bereitschaft, sich bestimmt oder eventuell zu
engagieren, zeigen für Bayern einen herausragenden Trend. Die Zahl der
Engagement-Interessierten hat stark zugenommen: Konnten sich 1999 noch
23 % ein Engagement eventuell oder bestimmt vorstellen, sind es 2009
bereits 39 %. Das ungenutzte Potenzial ist also groß und umso wichtiger
ist es, diesen Menschen den Zugang zu „ihrem“ Engagement zu
erleichtern. Seit Anfang 2010 treiben in Bayern zum Beispiel auch die
neuen Koordinierungszentren Bürgerschaftliches Engagement in den
Landkreisen die Vermittlung von Engagementangeboten an Interessierte
voran.
Auf Bundesebene gestaltet sich die Entwicklung der
Engagementbereitschaft ähnlich, fällt mit Werten von 26 % (1999) über
32 % (2004) auf 37 % (2009) allerdings weniger deutlich aus als in
Bayern.

Im
Alter zwischen 35 und 54 Jahren finden wir die höchste Engagementquote
vor. Mit 44 % sind die Engagierten zwischen 35 und 44 Jahren
Spitzenreiter, dicht gefolgt von den 45- bis 54-Jährigen (42 %). Trotz
der bereits hohen Zahl an freiwillig Engagierten in diesen beiden
Alterskategorien gibt es noch ein hohes Potenzial, das bestimmt oder
eventuell bereit wäre sich zu engagieren. Groß ist das Potenzial aber
auch bei den jungen Menschen in Schule, Ausbildung und Studium, in der
beruflichen Startphase bzw. in der Familiengründung. Hier gilt es
Angebote zu machen, die genau auf die Lebenssituationen
zugeschnitten sind, um dieses Potenzial zu aktivieren. Auch
wenn bei den 65-Jährigen die Zahl der Engagierten und der potenziell
Engagierten vergleichweise niedriger ausfällt, darf nicht übersehen
werden, dass gerade hier die Zahl der potenziell Engagierten seit 1999
(6 %) stark angestiegen ist (2009: 23 %).

Während die Anzahl der engagierten Männer seit 2004 gleich geblieben ist, zeigt sich bei den Frauen nach einem Anstieg um drei Prozentpunkte zwischen 1999 und 2004 ein leichter Rückgang. Grundsätzlich ist aber positiv zu vermerken, dass beide Geschlechter eine seit 1999 stark ansteigende Anzahl von Menschen aufweisen, die bestimmt oder eventuell zum freiwilligen Engagement bereit sind. Im Vergleich ist der Zuwachs der Engagementbereiten bei den Männern stärker ausgeprägt. Entsprechend stark ist die Anzahl der Männer und Frauen gesunken, die weder engagiert noch zum Engagement bereit sind (21 % bzw. 28 %). Angesichts dieser hohen Engagementbereitschaft sind die Kreativität und die Innovationsfreude von zivilgesellschaftlichen Akteuren gefordert, um attraktive Angebote zu entwickeln, die auf den Lebensabschnitt, aber auch auf den biografischen Hintergrund von Männern und Frauen zugeschnitten sind.

Während die Anzahl der engagierten Männer seit 2004 gleich geblieben ist, zeigt sich bei den Frauen nach einem Anstieg um drei Prozentpunkte zwischen 1999 und 2004 ein leichter Rückgang. Grundsätzlich ist aber positiv zu vermerken, dass beide Geschlechter eine seit 1999 stark ansteigende Anzahl von Menschen aufweisen, die bestimmt oder eventuell zum freiwilligen Engagement bereit sind. Im Vergleich ist der Zuwachs der Engagementbereiten bei den Männern stärker ausgeprägt. Entsprechend stark ist die Anzahl der Männer und Frauen gesunken, die weder engagiert noch zum Engagement bereit sind (21 % bzw. 28 %). Angesichts dieser hohen Engagementbereitschaft sind die Kreativität und die Innovationsfreude von zivilgesellschaftlichen Akteuren gefordert, um attraktive Angebote zu entwickeln, die auf den Lebensabschnitt, aber auch auf den biografischen Hintergrund von Männern und Frauen zugeschnitten sind.

Der Verein erweist sich auch im Zeitverlauf als besonders beliebte Organisationsstruktur: Er ist nicht nur seit einem Jahrzehnt Spitzenreiter als Organisationsform, sondern scheint langsam aber kontinuierlich weiter zu wachsen. Mittlerweile findet fast die Hälfte (46 %) aller freiwilligen Tätigkeiten im Verein statt. Mit großem Abstand folgen kirchliche Gruppen (2009: 14 %) und kommunale Einrichtungen (2009: 11 %), wobei Letztere seit 1999 eher gewachsen bzw. stabil geblieben sind. Zuwachs erfahren selbstorganisierte Gruppen sowie Initiativen und Projekte, d.h. weniger in Strukturen eingebettete und vielleicht auch individuellere Gruppen und Netzwerke. Vielleicht kann dies als ein Hinweis gelten, dass die Zivilgesellschaft sich selbst formiert und dabei auf die eigene Strukturierungsfähigkeit setzt – oder zuerst den Schwerpunkt auf den Inhalt und nicht auf die Struktur legt. Diese Entwicklung einer Zivilgesellschaft von unten liegt im Interesse Bayerns, wo die strukturelle Förderung, die Raum und Unterstützung für solche „Graswurzelbewegungen“ bietet, ein wichtiges Ziel der bayerischen Engagementpolitik darstellt.

Die Häufigkeit, mit der sich die Menschen in Bayern engagieren, weist eine große Vielfalt auf. Über ein Fünftel (21 %) engagieren sich mehrmals in der Woche, wenn nicht sogar täglich. Einmal in der Woche bzw. mehrmals im Monat sind auch etwa je ein Fünftel der freiwillig Tätigen engagiert: 19 % bzw. 23 %. Zusammengenommen sind es also 63 %, die mehrmals im Monat oder häufiger engagiert sind: ein beachtliches Ergebnis!
Zu denen, die seltener engagiert sind, gehört auch die Gruppe jener Menschen, die sich für eine kurze Zeit intensiv in Projekten engagieren. Aufgrund der Unsicherheit in der Lebensplanung und der im Beruf erforderlichen Mobilität ist das eine Engagementform, für die sich eine zunehmende Anzahl von Menschen entscheidet. An die Vermittlung von Engagement stellt das besondere Anforderungen, da der Aufwand steigt – „Engagementanbieter“ finden auf diese Weise aber für spezielle Projekte höchst engagierte Unterstützerinnen und Unterstützer. Zudem entspricht diese Art des Engagements auch dem Zuwachs bei selbstorganisierten Gruppen bzw. Initiativen/Projekten

Das Ende der Liste verweist auf die Bescheidenheit der
Freiwilligen: So ist es ein vergleichsweise kleiner Prozentsatz von 32
%, der durch sein Engagement eigene Interessen vertreten sehen will,
und auch nur 37 %, die Anerkennung für ihre Tätigkeit wollen. Im
letzteren Fall darf man aber nicht vergessen, dass sich jeder über
Anerkennung freut, auch wenn diese nicht die Motivation für ein
Engagement ist: Eine entwickelte Anerkennungskultur gehört zum
Engagement fest dazu! Aus diesem Grund ist die Förderung der
Anerkennung und Wertschätzung des Engagements ein zentrales Ziel
bayerischer Engagementpolitik.

Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass die Wünsche der Freiwilligen seitens der Organisationen immer besser erfüllt werden. Die Veränderungen sind zwar nicht erheblich, aber ein entsprechender Trend wird durchaus sichtbar. So nimmt der Wunsch nach Finanzmitteln für bestimmte Projekte ab, aber auch bei der Bereitstellung von Räumlichkeiten/Ausstattungsmitteln, der Weiterbildung, der fachlichen Unterstützung und der Anerkennung sind Verbesserungen abzulesen. Insgesamt ist das Fazit jedoch, dass gerade bei den Finanzmitteln und den Räumlichkeiten/Ausstattungsmitteln immerhin noch bei 59 % bzw. 42 % der Engagierten Wünsche offen sind. Einzig die Kostenerstattung und die Vergütung sind Punkte, bei denen die Wünsche eher zunehmen, allerdings in beiden Fällen auch nur um einen Prozentpunkt. Es wird sich erst in Zukunft zeigen, ob es sich hierbei um einen tatsächlichen Bedarf handelt oder ob es nur die Debatte um die Vergütung des Ehrenamts ist, die hier Wirkung bei den Engagierten zeigt.

Vergleicht man insbesondere die Zahlen von 1999 und 2009, so zeigt sich wenig Veränderung bei den Wünschen der Freiwilligen an den Staat und die Öffentlichkeit. Die bestehenden Schwankungen sind nicht leicht zu interpretieren. So wird die steuerliche Absetzbarkeit der Aufwandsentschädigungen als besser erfüllt wahrgenommen:
Wenn man hier eine Auswirkung der 2007 bundesweit erhöhten Übungsleiterpauschale unterstellen würde, erklärt sich der Einschnitt im Jahr 2004 nicht. Auch der verstärkte Wunsch nach Absicherung durch Haftpflicht- und Unfallversicherung ist schwer zu erklären, da Bayern seit 2007 einen subsidiären Versicherungsschutz anbietet. Vielleicht lässt sich hier das Fazit ziehen, dass die Information über die staatlichen Rahmenbedingungen der Engagementförderung noch verstärkt werden muss. Gerade auf lokaler Ebene gehört auch der Wunsch nach Information über Engagementmöglichkeiten dazu, der hier erneut das noch ungenutzte Potenzial der Engagementbereitschaft spiegelt.

In der Tat zeigen sich in einigen Altersstufen deutliche Unterschiede bei der Anzahl der jeweils engagierten Männer und Frauen. Die größten Unterschiede zeigen sich in den zwei Alterstufen „14 bis 24 Jahre“ und „über 65 Jahre“. In beiden Fällen sind wesentlich mehr Männer als Frauen engagiert: Bei den 14- bis 24-jährigen Frauen sind 28 % engagiert, während es bei den Männern in der gleichen Altersgruppe 48 % sind. Noch größer ist der Unterschied bei den über 65-Jährigen: In dieser Altergruppe weisen die Frauen eine Engagementquote von 20 % auf gegenüber einer Engagementquote von 41 % bei den Männern. In den anderen Altersstufen sind die Engagementquoten bei Frauen und Männern fast ausgeglichen. Eine Ausnahme bilden die 45- bis 54-Jährigen: In dieser Altersstufe sind mehr Frauen (45 %) als Männer (38 %) engagiert.

Die Zuordnung von Männern und Frauen zu Engagementbereichen zeigt in einigen Fällen deutliche Unterschiede. In Kirche/Religion, im sozialen Bereich, in Schule und Kindergarten sind wesentlich mehr Frauen als Männer engagiert, während die Männer in den Bereichen Sport und Bewegung, bei den Rettungsdiensten und in der Politik dominieren. In allen anderen Bereichen zeigen sich kaum Unterschiede.

▲ nach oben
Es sind nicht unbedingt die Menschen, die augenscheinlich wenig zu tun haben, die sich engagieren, sondern eher diejenigen, die mit Familie und Beruf bereits vielfältige Verpflichtungen haben. So sind 2009 49 % der Frauen, die erwerbstätig und vorwiegend für die Kinderbetreuung verantwortlich sind, auch engagiert – im Vergleich zu einer durchschnittlichen Engagementquote bei Frauen von 33 % (2009). Eine extrem hohe Engagementquote finden wir sowohl bei Männern als auch bei Frauen vor, die jeweils erwerbstätig und teilweise für die Kinderbetreuung zuständig sind, d.h. sich die Betreuungszeit für die Kinder mit dem Partner teilen: In diesem Fall sind 59 % der Frauen und 50 % der Männer (mehr als diejenigen, die erwerbstätig und nicht vorwiegend für die Kinderbetreuung verantwortlich sind!) engagiert. Es handelt sich dabei also nicht nur um ein emanzipiertes, sondern durchaus auch um ein dem freiwilligen Engagement sehr zuträgliches Lebensmodell.

Die Zahlen zeigen klar, dass 2009 mehr Männer (38 %) als Frauen (24 %) in Ehrenamt und Engagement eine Leitungs- bzw. Vorstandsfunktion einnehmen. Allerdings ist festzuhalten, dass sich der Unterschied zwischen den Geschlechtern als weniger groß darstellt, als das zum Beispiel bei Führungspositionen in der Arbeitswelt der Fall ist. Vor diesem Hintergrund kann das Engagement dazu beitragen, Führungspositionen von Frauen in der Öffentlichkeit selbstverständlicher werden zu lassen und sichtbarer zu machen.

Viele Engagierte fühlen sich dadurch motiviert, dass sie fest in ihr Engagementumfeld eingebunden sind, dort die Menschen und Strukturen kennen, aber auch die Möglichkeit haben, dieses Umfeld durch die Teilnahme an Sitzungen oder gemeinsamen Planungsrunden mitzugestalten. Dies scheint an vielen Einsatzorten der Freiwilligen der Fall zu sein – allerdings gibt es hier einen Unterschied zwischen Männern und Frauen. So werden 68 % aller freiwillig engagierten Männer ausreichend Mitsprachemöglichkeiten eingeräumt, während es bei den Frauen nur 59 % sind. Wichtig scheint jedoch, die durchaus hohe Zahl der nach ihrer Aussage nur „zum Teil ausreichend einbezogenen“ Engagierten Ernst zu nehmen und an den jeweiligen Engagement-Orten zu prüfen, ob hier eine größere Mitsprachemöglichkeit erwünscht wäre bzw. eingeräumt werden sollte.

In
Zeiten einer immer wieder attestierten Politikverdrossenheit sind die
Aussagen interessant, mit denen die Befragten ihre politischen
Aktivitäten beschreiben. Grundsätzlich sind Männer bei politischen
Tätigkeiten wesentlich aktiver als Frauen, unabhängig davon, ob es um
Unterschriften zu politischen Zielen geht, um die Teilnahme an einer
Bürgerversammlung oder Demonstration oder die Übernahme eines Amtes.
Frauen überflügeln Männer lediglich bei der Beteiligung an einer
Bürgerinitiative. Insgesamt ist zu vermerken, dass gerade die lokalen
Partizipationsprozesse,
d.h. Bürgerversammlungen und Bürgerinitiativen großes Interesse finden.

Bundesweit gibt es den Befund, dass Engagement eher ein Mittelstandsphänomen ist und insbesondere auch das Engagement von Menschen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen gefördert werden muss. Zum einen aus Gründen der Teilhabe und Integration, aber auch um gerade bei lokalen Partizipationsprozessen sicher zu stellen, dass die gesamte Bevölkerung vertreten ist und ihre Interessen einbringt, muss Engagement von allen Bevölkerungsschichten wahrgenommen werden.
In Bayern scheint es dieses Problem nicht zu geben: Die Auswertung zeigt, dass die Engagierten viel gleichmäßiger auf die einzelnen Bildungsabschlüsse verteilt sind als dies auf Bundesebene der Fall ist. So engagieren sich mehr Menschen ohne Bildungsabschluss/mit Hauptschulabschluss und auch mehr mit mittlerer Reife als im Bundesdurchschnitt. Das bedeutet, dass die Menschen in Bayern sich weitgehend unabhängigvon ihrer Schulbildung engagieren und zum Gemeinwesen beitragen und von den positiven Rückwirkungen des Engagements profitieren!

Für ihre Teilhabe an der Gesellschaft ist das Engagement von Migrantinnen und Migranten ein wichtiger Indikator. Die Zahlen zeigen, dass sowohl auf Bundesebene als auch bayernweit weniger Menschen mit Migrationshintergrund engagiert sind: 26 % bzw. 24 %. Allerdings ist in Bayern der Anteil der gemeinschaftlich Aktiven höher als im Bundesdurchschnitt: 40 % bzw. 38 %. Es muss also auch in Zukunft ein verstärktes Augenmerk auf den Einbezug von Migrantinnen und Migranten gelegt werden – ein Schritt wäre zum Beispiel die Kooperation zwischen MigrantInnenvereinen und anderen Einrichtungen bzw. die verstärkte Förderung des Engagements von Menschen mit Migrationshintergrund in Kindergärten und Schulen.

Es zeigt sich, dass je besser die eigene finanzielle Situation von freiwillig Engagierten eingeschätzt wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie für die Gemeinschaft tätig werden bzw. gemeinschaftlich aktiv sind. Dabei überrascht positiv, dass immerhin noch 31 % derer, die von sich sagen, unter eher schlechten oder gar sehr schlechten finanziellen Bedingungen zu leben, ein Engagement ausüben und 29 % von ihnen gemeinschaftlich aktiv sind. Das verweist für Bayern darauf, dass auch Menschen, die in einer finanziell nachteiligen Situation leben, sich durch ein Engagement in die Gesellschaft integrieren können. Die Erstattung der den Freiwilligen durch das Engagement entstandenen Kosten (z.B. Fahrtkosten, Telefonkosten) sollte jedoch in jedem Fall selbstverständlich sein, um keine Barrieren entstehen zu lassen.

Bei
den Wünschen der Engagierten an die Öffentlichkeit war der wichtigste
Punkt „mehr Aufklärung über Möglichkeiten sich zu engagieren“. Die
Aussagen zu den Zugängen zum Engagement
spiegeln dieses Bild:
In erster Linie sind es Personen die man – zum Beispiel durch eine
gemeinschaftliche Aktivität – schon kennt oder Freunde bzw. Bekannte,
die auf ein mögliches Engagement aufmerksam machen. Aber auch die
eigenen Erlebnisse, über die man mit Einrichtungen, Vereinen oder
Initiativen in Kontakt kommt, können zu einem Engagement führen. In
jedem Fall handelt es sich um Anstöße durch Menschen oder Ereignisse,
die zum Engagement führen – und diese Tendenz hat sich (mit Ausnahme
der Familie) in den letzten zehn Jahren seit 1999 sogar verstärkt. Zwar
werden externe Informationskanäle wie Informationsstellen, also zum
Beispiel Vermittlungsagenturen oder Anlaufstellen, und auch die Medien,
wichtiger, bleiben aber noch weit hinter anderen Wegen der Gewinnung
zurück.

Im Unterschied zum Bundesdurchschnitt zeigt sich eine leichte Tendenz, dass in Bayern mehr Menschen für ein Engagement geworben werden. Grundsätzlich bleibt aber sowohl auf Bundesebene als auch in Bayern die Verteilung zwischen Menschen, die für ein Engagement geworben werden und solchen, die sich ein Engagement in Eigeninitiative suchen, mit leichten Schwankungen mehr oder weniger gleich – und weist einen Überhang der Menschen auf, die geworben werden (Bayern 2009: 60 % vs. 39 %). Da schwer festzustellen ist, wie einzelne Medien auf die Eigeninitiative wirken, muss die Information zu Engagementmöglichkeiten möglichst weit gefächert zur Verfügung gestellt werden. Dass die Information, wo und wie man ein passendes Engagement findet, verfügbar gemacht werden muss, belegen einmal mehr diese Zahlen.
In Bayern stellt das Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Informationen, Beratung, Fortbildung und Unterstützung zu Ehrenamt und Freiwilligenarbeit für eine große Anzahl von interessierten Akteuren bereit. Siehe auch: www.lbe-bayern.de

Vergleicht man die Gewinnung von Freiwilligen in der Stadt und auf dem Land, so zeigen sich große Unterschiede: Je „ländlicher“ die Region ist, umso seltener ergreifen die Menschen selbst die Initiative und suchen sich ein Engagement. Während in den städtischen Kerngebieten 53 % geworben werden und 46 % sich selbst ein Engagement suchen, sind es auf dem Land 70 %, die geworben werden und nur 30 %, die sich ihr Engagement selbst suchten. Da man sich auf dem Dorf kennt, wird im Freundes- und Bekanntenkreis nachgefragt, wenn man Freiwillige im Verein oder für ein Projekt sucht. Gerade dort ist es aber auch wichtig, Menschen, die isoliert leben, durch ein Engagement Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.

In Bayern zeigt sich in den ländlichen Gebieten die höchste Engagementquote (2009: 49 %) verglichen mit den städtischen Kerngebieten (2009: 30 %) und den städtischen Randgebieten und Kleinstädten (2009: 38 %). Weiterhin lässt sich der Trend ablesen, dass die Anzahl der Engagierten im ländlichen Raum auch noch weiter ansteigt: von 41 % im Jahr 1999 auf 46 % in 2004 zu dem Stand von 2009 (49 %). Dieser Trend zeigt sich in anderen Siedlungsgebieten weitaus weniger. Dies scheint darauf hinzuweisen, dass das Engagement im ländlichen Raum bei weitem nicht nur von den traditionellen Vereinsstrukturen geprägt ist, sondern sich auch erweitert und erneuert. Darüber hinaus gibt es gerade auch in den strukturschwachen ländlichen Räumen eine besondere Notwendigkeit, durch bürgerschaftliches Engagement und Partizipation Nahversorgung und Infrastruktur zu sichern.


Aktualisiert am 03.08.2011 - Startseite ▲ nach oben