Das Ehrenamt ist im Wandel - man kann es schon an der derzeitigen Vielfalt von Begriffen ablesen: Freiwillige Tätigkeit, Bürgerschaftliches Engagement, Bürgerarbeit usw. Die Menschen scheinen heute eine gute Balance zwischen subjektiven Wünschen und objektiven Erfordernissen des Ehrenamtes zu wollen. Ehrenamt soll neben dem Sinn der Hilfe auch Spaß machen.
Die Veröffentlichung zerfällt in einen allgemeinen Teil, der auf Ebene der Bundesländer die Folgen des demografischen Wandels in verschiedenen Dimensionen (Integration, Wirtschaftsentwicklung, Bildung, Familienfreundlichkeit) darlegt. In einem zweiten Teil werden an konkreten Initiativen gezeigt, wie verschiedene Regionen dem demografischen Wandel mit Hilfe bürgerschaftlicher Initiativen begegnen. Hierzu gibt es Fallstudien von Regionen die besonders hart vom demografischen Wandel betroffen sind, der zudem oft mit einem wirtschaftlichem Niedergang verknüpft ist (wie Bremerhaven, Wunsiedel, Demmin, Kyffhäuserkreis). In allen Regionen scheint es Ansätze zu geben wie Mehrgenerationenhäuser oder Freiwilligenagenturen, neue Nachbarschaftshilfen oder Dorfläden. In qualitativen Studien werden interessante Engagementprofile der Regionen erstellt. Abschließend werden politische Handlungsempfehlungen gegeben, die für jede weitere Entwicklung regionalen Bürgerschaftlichen Engagements sehr überlegenswert sind. Zum Beispiel wird die Einrichtung einer Stiftung ländlicher Raum empfohlen und die zentrale Stellung der Wohlfahrtsverbände in der Engagemententwicklung des ländlichen Raums hervorgehoben, die diese Rolle bisher aber nur ungenügend annehmen.
Der Band versammelt drei empirische Untersuchungen: Zum leitenden Ehrenamt im Sozialbereich und hier vor allen bei Trägern mit hauptamtlichem Personal (Liebig). Zwei Fallstudien des Bürgerschaftlichen Engagements in der Kultur am Beispiel des soziokulturellen Zentrums Schlachthof (Kassel) und der Kunstsammlung NRW (Schwalb). Und am Vereinswesen im Sport, hier wieder besonders fokussiert auf die Frage der Leitungs- und Vorstandsebene (Zimmer). Der über alle Bereiche sich verdichtende Befund lautet: Durch komplexere bürokratische Herausforderungen, erhöhten Markt- und Konkurrenzdruck wird vor allem die Besetzung der Leitungsfunktionen immer schwieriger.
Konrad Hummel ist ein reflektierender Praktiker. In seinem neuen Buch verarbeitet er Erfahrungen aus seiner Augsburger Zeit als Sozialreferent mit dem Ziel, eine politische Strategie zu entwerfen, die Bürgergesellschaft vor Ort befördert. Städte müssen vor allem für Prozesse der Diversität, den demografischen Wandel und eine zunehmende Segregation konstruktive Antworten finden. Wo ist hier Bürgerschaftliches Engagement verortet, was kann es zur Lösung der Probleme beitragen? Hummel sieht ein magisches Viereck, mit dem eine Beurteilung und Lokalisierung Bürgerschaftlichen Engagements gelingen kann. Bezogen auf die drei Handlungsfelder muss Engagementpolitik den Diskurs um Werte voranbringen, Strukturen der Koproduktion von Bürger und Staat entwickeln, danach fragen, wie sich unterschiedliche gesellschaftliche Milieus zivilgesellschaftlich organisieren und aktivieren lassen und welche methodischen Zugänge man schließlich wählen muss, um erfolgreich zu sein. Dies wird vor allem an konkreten Projekten und Netzwerken nachvollziehbar, die Hummel in seiner Augsburger Zeit angestoßen hat. Jeder, der Hummel persönlich erlebt hat, wird ihn auch im Buch wiedertreffen: Als blitzgescheiten Denker und Macher, der nicht sonderlich um Systematik bemüht ist.
Dokumentation des Workshops 4.5.: Bürgerschaftliches Engagement im Welfare Mix – Möglichkeiten und Chancen S. 297-328
Die
Dokumentation ist nur als pdf-Version im Internet auf den Seiten des
Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge verfügbar
unter: www.deutscher-verein.de
Der
Begriff des „Welfare Mix“ spielt in der Debatte um das
Bürgerschaftliche Engagement eine zunehmend wichtige Rolle. Allgemein
bedeutet Welfare Mix, dass Menschen und Institutionen in vielfältiger
Weise an der Erstellung sozialer Dienstleistungen beteiligt sind.
Dieser Blick korrigiert eine eher ökonomisch verkürzte Sicht, wonach es
bei der Erbringung sozialer Dienstleistungen allein um eine dyadische
Beziehung von Patient/Klient und professionellem Dienst geht. Damit
wird auch die Rolle des Bürgerschaftlichen Engagements neu eingeordnet,
das als Koproduzent sozialer Dienste zu verstehen ist. In einem
Grundsatzreferat beobachtet Thomas Olk als Megatrend eine zunehmende
Einbeziehung des Bürgerschaftlichen Engagements in den Wohlfahrtsmix.
Damit entsteht ein neues Tableau der Dienstleistungserbringung zwischen
Staat (als Gestalter und Moderator), Institutionen des 3. Sektors (wie
Wohlfahrtsverbände), gewerblichem Markt, individuellem Nutzer und
bürgerschaftlicher Hilfe. Stefan Roß und Thomas Klie konkretisieren
diese Sicht durch den Blick auf die Altenhilfe, Betreute Wohnformen und
Hospizarbeit.
Archiv für Wissenschaft und Praxis
der sozialen Arbeit 4/2005 ISSN 0340-3564
Das
Vierteljahresheft des Archivs widmet sich dem Schwerpunkt
Bürgerschaftliches Engagement. Autoren wie Ansgar Klein, Thomas
Olk, Gisela Jakob und Thomas Röbke bearbeiten in ihren Aufsätzen
vor allen Schnittstellen des Bürgerschaftlichen Engagements zu
anderen wichtigen politischen Diskursen und Tätigkeitsfeldern.
Damit ist auch schon ein Kennzeichen der gegenwärtigen
Diskussion benannt. Sie widmet sich weniger dem Selbstverständnis
(Was ist 'Neues Ehrenamt' oder 'Zivilgesellschaft'), sondern erkundet
die Brückenschläge in andere Politikbereiche hinein. Im
Zentrum steht also ein neuer Wohlfahrtsmix, der die verschiedenen
Ressourcen und Aufgabenstellungen zukünftiger gesellschaftlicher
Entwicklungen 'zusammendenkt'. Hierzu gehören das Verhätnis
des Bürgerschaftlichen Engagements zur professionellen
Leistungsbringung im Sozialbereich (Klie/Roß), der Komplex der
Schulentwicklung und des Service Learnings (Hartnuß), die
Arbeitsmarktpolitik (Trube), die Zukunft der
(generationsübergreifenden) Freiwilligendienste (Olk) oder der
Stadtentwicklung (Röbke).
Mit
dieser Veröffentlichung richtet sich das DJI nicht nur an die
institutionellen Akteure vor Ort und der Politik, sondern
ausdrücklich auch an die örtliche Zivilgesellschaft. Damit
sind EinzelaktivistInnen, Initiativen und Vereine sowohl von
"Einheimischen" als auch von MigrantInnen gemeint. Zu
verschiedenen Handlungsfeldern (Deutsch lernen, Integration im
Wohnumfeld, Orte für Familien mit Kindern im Quartier, Förderung
von Migranten-Selbstorganisationen etc.) werden wichtige aktuelle
Hintergrundinformationen und modellhafte praktische Ansätze
vorgestellt. Vor dem Hintergrund, dass sich Integration vorwiegend im
sozialen Nahraum entwickelt, plädieren die VerfasserInnen dafür,
die konkrete Lebenssituation der MigrantInnen genauer zu betrachten
und die Familien im Migrationsprozess zu unterstützen (Migration
als Familienprojekt).
Die vorgestellten Praxismodelle sollen als
Module genutzt werden, die erst als Ganzes ein Strategiebündel
zur aktiven Gestaltung des Gemeinwesens ergeben, das selbstbewusst
und aus Überzeugung von und mit sozialer, regionaler, vor allem
aber ethnisch-kultureller Vielfalt lebt.
als pdf-Datei unter
www.dji.de/bibs/187/leitfaden.pdf
In dieser
Dokumentation sind u.a. die Ergebnisse der Recherche "Freiwilliges
Engagement von Migrantinnen und Migranten" zusammengefasst, bei
der Schwerpunkte, Inhalte und Lücken der Forschungsprojekte und
Veröffentlichungen zum Themenfeld analysiert wurden. Die
Recherche ergab eine große Bandbreite v.a. hinsichtlich der
Analyse der Entwicklung, Zielgruppen, Arbeitsbereiche und Funktionen
von Migranten-Selbstorganisationen, während Aspekte des
Freiwilligen Engagements bisher in der Forschung kaum berücksichtigt
werden. Es wurde noch eine Vor-Ort-Recherche zu Erfahrungen und
Perspektiven des Freiwilligen Engagements aus Sicht der MigrantInnen
in drei verschiedenen Sozialräume durchgeführt, deren
Ergebnisse ebenfalls in der Dokumentation vorgestellt werden. Prof.
Dr. Stefan Gaitanides verweist in seinem Beitrag "Freiwilliges
Engagement und Selbsthilfepotential von Familien ausländischer
Herkunft und Migranten-Selbstorganisationen - Anforderungen an
die Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik" auf das große
Verdienst des Sechsten Familienberichtes, das stereotype, überwiegend
negativ wertende Bild von der typischen Migrantenfamilie gründlich
in Frage gestellt zu haben und damit den Blick zu öffnen für
die Leistungen und Ressourcen der Migrantenfamilien. Differenziert
thematisiert er das Selbsthilfepotential in den Familien, die
Partizipation an Freiwilligenorganisationen der Mehrheitsgesellschaft
sowie die Situation von Migranten-Selbstorganisationen.
Neben zwei
Migranten-Selbstorganisationen auf Bundesebene (Bund der Spanischen
Elternvereine in der Bundesrepublik Deutschland e.V. und Föderation
Türkischer Elternvereine in Deutschland e.V. FÖTED) sind in
der Tagungsdokumentation noch drei Best-Practice-Beispiele
vorgestellt: Ein Projekt zur Ausbildung von bleibeberechtigten
Flüchtlingen zu Mediatorinnen und Mediatoren im Jugendhilfe- und
Schulbereich, ein Projekt mit jugendlichen Russlanddeutschen und der
durch die Medien bekannte Verein "Diên Hông -
Gemeinsam unter einem Dach" in Rostock.
(Die gesamte
Dokumentation ist als pdf-Datei unter:
www.bundesregierung.de/Content/DE/Publikation/IB/Anlagen/dokumentation-migranten-sind-aktiv,property=publicationFile.pdf
abrufbar.)
Der Begriff de sozialen Kapitals spielt in der neueren Debatte um das Bürgerschaftliche Engagement eine zentrale Rolle (siehe dazu auch "Lexikon"). In diesem Zusammenhang fallen vor allem die Namen von zwei Autoren: Pierre Bourdieu und Robert Putnam. Der Aufsatz von Braun arbeitet die Unterschiede und Konvergenzen der beiden theoretischen Ansätze heraus. Während Bourdieu den Begriff des Sozialen Kapitals als Quelle sozialer Ungleichheit begreift (Menschen, die auf ein gutes soziales Netzwerk vertrauen können, haben damit auch eine größere Machtstellung), sieht Putnam soziales Kapital als Ressource des gemeinschaftlichen Zusammenhalts. Damit so, Braun, übersieht er aber, dass moderne Gesellschaften zunehmend (wieder) von sozialen Ungleichheiten durchzogen werden, die sich nicht nur im materiellen Wohlstand, sondern auch im Grad gesellschaftlicher Integration (d.h. in der unterschiedlichen Dichte sozialer Beziehungen) niederschlagen. Dies spielt auch für die Engagementbereitschaft eine wichtige Rolle. Menschen die sozial gut integriert seien, würden sich signifikant mehr bürgerschaftlich engagieren. Hier greift Braun vor allem auf Ergebnisse einer Forschungsgruppe um Michael Vester zurück.
Diese
Beilage enthält unterschiedliche Aufsätze, u.a. einen Essay
von Christoph Sachße zur Geschichte des Bürgerschaftlichen
Engagements, einen Beitrag von Gisela Jakob zur Zukunft der
Freiwilligendienste und einen kurzen empirischen Vergleich über
Bürgerschaftliches Engagement in Europa von Helmut Anheier und
Stefan Toepler. Das Heft gibt einen knappen Zwischenstand über
wichtige Stränge der derzeitigen Diskussionen.
Als download
verfügbar unter www.bpb.de/publikationen
Die Tagung, die
im Rahmen der Aktivitäten der Bayerischen Staatsregierung im
Internationalen Jahr der Freiwilligen 2001 stattfand, bietet die
Beiträge von Referenten wie Annette Zimmer, Helmut Klages,
Warnfried Dettling und Heiner Keupp. Im Anhang befinden sich aus dem
Freiwilligensurvey 1999 stammende ausgewählte empirische Befunde
für Bayern, zusammengestellt von Thomas Gensicke.
(Die
Broschüre kann gegen eine Versand- und Unkostengebühr über
das Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement bezogen
werden.)
Umfassende Studie zum Wandel des Ehrenamtes, der sich schon in den 90er Jahren mit einer hohen verbalen Konjunktur des Ehrenamtes andeutete. Dass sich hinter dieser Konjunktur auch Strukturkrisen und Brüche im Selbstverständnis des klassischen Ehrenamtes verbargen, wurde hier erstmals umfassend untersucht. Sowohl in den Kapiteln zum Ehrenamt im Sport, in Wohlfahrts- und Jugendverbänden als auch in einzelnen Untersuchungen zum Engagement von Frauen und älteren Menschen spüren die Autoren den Veränderungen im Selbstverständnis des Ehrenamtes nach. Diesen Wandel beschreiben sie in der Einführung unter anderem durch die Vervielfältigung der Motivationen und Lebenslagen, die einen individuelleren Zuschnitt der Tätigkeitsfelder erforderlich macht; durch neue Themen wie Ökologie und Umweltschutz und die schleichende Abwendung von den Großverbänden hin zur Initiativenkultur; durch eine geringere Verbindlichkeit und Projektbezogenheit des Engagements; schließlich zeigen sie, dass das Ehrenamt durch die hohe Verberuflichung der sozialen Arbeit in zum Teil schwierige Konkurrenzsituationen mit den professionellen Strukturen gerät.
Der Band liefert in drei Abschnitten einen guten Überblick über die Diskussionsstränge zum Ehrenamt. Im ersten Abschnitt skizziert Roland Roth knapp die aktuellen Veränderungen bürgerschaftlichen Engagements. Der zweite Abschnitt zeigt praktische Felder der freiwilligen Tätigkeit, u.a. in großen Verbändenhummel (am Beispiel Caritas), in der Kultur, im Verhältnis von Freiwilligensektor und Wirtschaft. Der dritte Teil widmet sich vor allem der wiederbelebten Tradition von Stiftungen, insbesondere der Bürgerstiftungen.
Aktualisiert am 27.12.2011 - Startseite ▲ nach oben