Empirische Befunde

Vor allem durch den großen Freiwilligensurvey, der erstmals 1999 durchgeführt und in regelmäßigen Abständen wiederholt werden soll, haben wir repräsentative und bei aller Einzelkritik verlässliche empirische Daten zum freiwilligen Engagement in Deutschland. Der Survey macht aber einzelne vergleichende oder sich besonderen Zielgruppen widmende Studien nicht überflüssig. Einen guten Überblick über die wichtigsten Untersuchungen vor dem Freiwilligensurvey bieten Beher, Liebig und Rauschenbach in einer sekundäranalytischen Studie.

 

Mareike Alscher; Dietmar Dathe; Eckhard Priller; Rudolf Speth: Bericht zur Lage und zu den Perspektiven des bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland. Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), Projektgruppe Zivilengagement. Berlin 2009.

Mittlerweile ist Bürgerschaftliches Engagement Gegenstand zahlreicher empirischer Untersuchungen, die - mit unterschiedlichen Schwerpunkten - aktuelle Entwicklungen aufzeigen. Prominentestes Beispiel ist der Freiwilligensurvey, durchgeführt im Auftrag des BMFSFJ, dessen dritte Erhebungswelle 2009 erscheint.
In einem „Bericht zur Lage und den Perspektiven bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland“ hat eine Projektgruppe des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung in Berlin (WZB) vorhandene Untersuchungen zusammengetragen und um eigene Analysen ergänzt. Der Bericht beschreibt zunächst, soweit es die vorliegenden Ergebnisse ermöglichen, den Ist-Zustand und gibt einen Überblick über die Entwicklungen und die aktuelle Situation des Engagements in Deutschland. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Engagement im Kontext von Familie sowie unter den Vorzeichen des demographischen Wandels. Vor diesem Hintergrund werden zukünftige Arbeitsfelder und allgemeine Entwicklungstrends und -potentiale aufgezeigt. Schließlich finden sich im Bericht auch Handlungsempfehlungen für Akteure aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Forschung. Die Studie soll in Zukunft einmal pro Legislaturperiode aktualisiert und veröffentlicht werden. 
Unter http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/BMFSFJ/Service/Publikationen/publikationsliste,did=129162.html kann die aktuelle Version als pdf-Datei heruntergeladen bzw. die gedruckte Publikation bestellt werden.

Wolfgang Vortkamp: Integration durch Teilhabe. Das zivilgesellschaftliche Potenzial von Vereinen. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2008

Die wichtigste zivilgesellschaftliche Organisationsform ist hierzulande zweifellos der Verein. Fast die Hälfte aller Engagierten geben an, in einem Verein tätig zu sein. In den neuen Bundesländern hingegen musste sich eine Vereinslandschaft nach der Wende neu konstituieren. Am Beispiel der Vereine in der Stadt Dessau untersucht der Autor die demokratischen und zivilgesellschaftlichen Wirkungen, die von einer sich entwickelnden Vereinslandschaft ausgehen. Sein nüchternes Resümee: Vereine sind nicht per se integrations- und demokratiefördernd, sondern nur da, wo sie offen aktive Teilhabe einfordern und sich zivilgesellschaftlich einbringen.

Wiebken Düx; Gerald Prein; Erich Sass; Claus J. Tully: Kompetenzerwerb im freiwilligen Engagement. Eine empirische Studie zum informellen Lernen im Jugendalter. VS Verlag für Sozialwissenschaften 2008

Dass Jugendliche nicht nur in der Schule für das Leben lernen, erscheint als Erkenntnis nicht so neu. Neu an der soeben erschienenen Studie „Kompetenzerwerb im freiwilligen Engagement“ ist, dass erstmals die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements als Lernfeld für Jugendliche empirisch belegt werden kann. Die TU Dortmund und das Deutsche Jugendinstitut München führten über 70 Interviews mit jungen Engagierten aus Jugendverbänden, Schülervertretungen und Initiativen in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Die Studie zeigt: Wer als Jugendlicher gesellschaftliche Verantwortung durch freiwilliges Engagement übernimmt, tut dies mit großer Wahrscheinlichkeit auch als Erwachsener und verfügt über größere Organisations-, Gremien- und Leitungskompetenzen.

Fred Karl; Kristen Aner; Franz Bettmer; Elke Olbermann: Perspektiven einer neuen Engagementkultur. Praxisbuch zur kooperativen Entwicklung von Projekten. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008

Ausgehend von konkreten Fallbeispielen gehen die Autoren der Frage nach, wie ein geeignetes Arrangement von Unterstützungsleistungen und vom gegenseitigen Verhältnis von Haupt- und Ehrenamtlichen aussehen müsste, damit innovative Ideen des Bürgerschaftlichen Engagements erfolgreich sein können. Entstanden ist ein praktischer Leitfaden, der Hemmnisse und Stolpersteine (vor allem im Kontext hauptamtlich geführter Institutionen) aufzeigt und konstruktive Lösungen vorstellt. Dabei kommt dem Instrument des Freiwilligenmanagements besondere Bedeutung zu.

Helmut Klages; Carmen Daramus: Bürgerhaushalt Berlin-Lichtenberg. Partizipative Haushaltsplanaufstellung, -entscheidung und -kontrolle im Bezirk Lichtenberg von Berlin. Begleitende Evaluation. Deutsches Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung, Speyerer Forschungsberichte 249, 2007

In den letzten Jahren wächst die Zahl der Kommunen mit Bürgerhaushalten. Der Begriff bezeichnet ein transparentes Verfahren, mit dem die politisch Verantwortlichen der Kommune die Bürgerschaft dazu einladen, an der Aufstellung des kommunalen Haushalts – meist des nicht durch Pflichtleistungen festgelegten steuerbaren Bereichs – mit zusätzlichen Vorschlägen, aber auch Einsparmöglichkeiten teilzunehmen. Ein sehr weit gediehenes Modell existiert im Berliner Stadtbezirk Lichtenberg, der seine direkten Beteiligungsverfahren wie Bürgerforen durch ein vorbildliches, internet-basiertes Beteiligungssystem ergänzt hat (www.buergerhaushalt-lichtenberg.de).
Die bisherige Praxis wurde vom Speyerer Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung unter Leitung von Helmut Klages evaluiert, das das Modell als prinzipiell gelungen bewertet. Viele Lichtenberger Bürger aus allen Schichten und Communities konnten zur aktiven Mitarbeit gewonnen werden und über ein Haushaltsvolumen von immerhin 30 Mio. Euro mitbestimmen. Eingebaute Verfahrensbarrieren konnten verhindern, dass sich bestimmte Lobbies mit besonderen Anliegen durchsetzen. Verbesserungswürdig ist die Prozessgeschwindigkeit. Das Verfahren war noch zu langatmig, so dass viele Interessierte vorzeitig absprangen.
Zudem sollte die Evaluation die Möglichkeit der Übertragbarkeit auf andere Berliner Bezirke, aber auch weitere deutsche Großstädte bewerten. Wesentliches Fazit: „Ein erfolgreicher Beteiligungsprozess ... besteht zwingend aus den drei Bausteinen: Information der Bürgerschaft, Beteiligungsphase und zeitnahe Rechnungslegung zur Umsetzung der Vorschläge.“ Die Evaluation gibt es auch als Download unter www.buergerhaushalt-lichtenberg.de/site/pictures/evaluationsabschlussbericht_zum_buergerhaushalt_2007_lichtenberg.pdf

Beate Hofmann; Hans-Joachim Puch; Markus Maiwad: Evaluation des Kirchengesetzes über den Dienst, die Begleitung und die Fortbildung von Ehrenamtlichen in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (Ehrenamtsgesetz EAG). Nürnberg 2006

Im Jahr 2000 beschloss die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern das sog. Ehrenamtsgesetz, in dem vor allem die Anforderungen an einen ehrenamtlichen Einsatz in der Kirche und die damit verbundenen Möglichkeiten und Rechte von Ehrenamtlichen festgelegt werden. Hierzu gehören zum Beispiel die Begleitung und Fortbildung von Ehrenamtlichen, Auslagenersatz und Versicherungsschutz. Im Zentrum steht allerdings die sinnvolle und gleichberechtigte Einbeziehung Ehrenamtlicher in die mannigfaltigen Tätigkeitsfelder seelsorgerischer und sozialer Arbeit. Die 2006 fertiggestellte Evaluation der Evangelischen Fachhochschule Nürnberg kommt allerdings zu einem eher ernüchternden Urteil, was die Verbreitung und Wirksamkeit des Ehrenamtsgesetzes in der Praxis anbelangt. In getrennten Befragungen Haupt- und Ehrenamtlicher wurden deutliche Lücken aufgedeckt, vor allem auch beträchtliche Wahrnehmungsunterschiede von Haupt- und Ehrenamtlichen. Die Evaluator/inn/en schlagen insbesondere vor, Tätigkeitsfelder des sog. Neuen Ehrenamtes in der Kirche stärker auszubauen. Die Studie ist hier als Download erhältlich.

Download auch unter dem Stichwort Wissenschaft:
Hofmann, Beate; Puch, Hans-Joachim; Maiwald, Markus: Evaluation des Kirchengesetzes über den Dienst, die Begleitung und die Fortbildung von Ehrenamtlichen in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (Ehrenamtsgesetz EAG), Nürnberg 2006///

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Freiwilliges Engagement in Deutschland 1999-2004, vorgelegt von TNS Infrastest, bearbeitet von Thomas Gensicke, Sibylle Picot, Sabine Geis

Nach 1999 wurde nun zum zweiten Mal ein Freiwilligensurvey durchgeführt. 15.000 Interviews mit Menschen über 14 Jahren sorgen für eine verlässliche repräsentative Grundlage. 2004 engagierten sich 36 Prozent aller Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren freiwillig - das sind mehr als 23,4 Millionen Menschen. Die Zahl der freiwillig Engagierten ist im Vergleich zum ersten Freiwilligensurvey 1999 um zwei Prozent angestiegen. Eine sehr starke Gruppe mit einer stabilen Engagementquote von 36 Prozent stellen dabei die Jugendlichen dar. Vor allem ist in dieser Altersgruppe auch die Bereitschaft, sich freiwillig zu engagieren, mit 43 Prozent am höchsten. Deutlich verändert hat sich im Vergleich zu 1999 das freiwillige Engagement der Älteren. Sie stellen die größte Wachstumsgruppe des freiwilligen Engagements dar. Bei den Männern und Frauen spiegelt sich der Bewusstseinswandel in der Gesellschaft in bezug auf die Geschlechterrollen auch im freiwilligen Engagement wider, Männer engagieren sich zunehmend auch im Bereich Schule/Kindergarten sowie im sozialen Bereich.
Sonderauswertungen liefert der Survey zum Engagement Jugendlicher sowie zum Engagement von Migranten und älteren Menschen.

Der Freiwilligensurvey steht zum Download bereit unter: http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/BMFSFJ/Service/Publikationen/publikationen,did=73430.html
Die Druckfassung "Freiwilliges Engagement in Deutschland 1999 - 2004" ist zu bestellen unter:
http://www.vs-verlag.de/index.php;do=show/site=w/book_id=9956/sid=10795934794a374ded74ea7241195235

Freiwilliges Engagement von Türkinnen und Türken in Deutschland

Projekt der Stiftung Zentrum für Türkeistudien im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Online-Publikation, 2005 (www.bmfsfj.de/Publikationen/engagementstudie-zft)>
Erstmalig wurde 2004 ergänzend zum Freiwilligensurvey eine spezifische Untersuchung zum Freiwilligen Engagement von Türkinnen und Türken in Deutschland durchgeführt.
Die Ergebnisse zeigen, dass sich das Engagement der türkeistämmigen MigrantInnen und der deutschen Bevölkerung auf den ersten Blick wenig unterscheiden: Auch unter dieser Migrantengruppe hat sich in Bezug auf freiwilliges Engagement ein Wertewandel vollzogen (neben dem Altruismus eine stärkere Betonung von Selbstverwirklichung und Eigeninteressen). 64% der türkeistämmigen MigrantInnen beteiligen sich aktiv in Vereinen, Verbänden, Gruppen oder Initiativen im Vergleich zu 70% der deutschen Bevölkerung. Die gravierenden Unterschiede liegen beim Übergang von der Beteiligung zum Engagement: Insgesamt engagieren sich nur 10% der Befragten über die Beteiligung hinaus. Bei den Deutschen liegt dieser Anteil bei 36%. Mit Ausnahme des religiösen Bereichs, der mit 29% an erster Stelle der Beteiligung der türkeistämmigen Migranten und mit 10% an 6. Stelle der Beteiligung der deutschen Bevölkerung liegt, unterscheiden sich die Aktivitätsfelder von Deutschen und TürkInnen kaum. Personen mit besseren bildungsmäßigen, beruflichen und finanziellen Voraussetzungen übenehmen häufiger freiwillige Aufgaben als andere.
Charakteristisch für türkeistämmige Engagierte und Beteiligte ist jedoch, dass die Vetretung migrationsspezifischer Interessenlagen eine große Bedeutung hat und dass eigenethnische Organisationen für Viele der geeignete Rahmen für diese Interessensvertretung ist. (Allerdings trifft die weit verbreitete Meinung nicht zu, dass sich die Migrantenselbstorganisationen in erster Linie mit dem Herkunftsland und der Konservierung türkischer Kultur beschäftigen. Vielmehr richten sich die Interessen auf das Aufnahmeland und das Leben als MigrantIn in Deutschland. Mit sinkender Bedeutung des Migrantenstatus für die Betroffenen verlagert sich das Engagement von migrationsspezifischen zu übergreifenden Zielen und Interessen. Zugleich scheint in denjenigen Bereichen, in denen Deutsche und TürkInnen gemeinsame Interessen teilen, die Beteiligung in multiethnischen und aufnahmegesellschaftlichen Gruppen begünstigt zu werden. (z. B. berufliche Interessenvertretung, Aktivitäten am Wohnort, Sport).
Abschließend werden in dem Bericht einige Empfehlungen zur Engagementförderung türkeistämmiger MigrantInnen formuliert. Ebenso wie in der Bestandsaufnahme finden sich auch hier Analysen, die für die deutsche Bevölkerung gleichermaßen gültig sind: Handlungs- und Entscheidungsspielraum einräumen, bessere finanzielle Ausstattung der Projekte (wogegen die finanzielle Aufwandsentschädigung für die Engagierten nur eine untergeordnete Rolle spielen), Weiterbildungsmöglichkeiten etc. Für ein stärkeres Engagement von türkeistämmigen MigrantInnen in deutschen Organisationen identifiziert die Studie eine Verbesserung der Offenheit dieser Organisationen für Zuwanderer, insbesondere eine Berücksichtigung von MigrantInnen in Leitungsfunktionen. Wichtig ist es auch, muttersprachliche Ansprechpartner vorzuhalten, dies öffentlichkeitswirksam zu transportieren und auf die Zielgruppe zugeschnittene Informations- und Kommunikationswege zu bedienen.

Gerlinde Wouters: Zur Identitätsrelevanz von freiwilligem Engagement im Dritten Lebensalter. Anzeichen einer Tätigkeitsgesellschaft. Centaurus Verlag, Herbolzheim 2005

Der neue Freiwilligensurvey 2004 zeigt, dass der größte Zuwachs von Menschen, die sich freiwillig engagieren in der Altersgruppe zwischen 50 und 70 Jahren zu verzeichnen ist. Diese Gruppe nimmt das Buch von Gerlinde Wouters unter die Lupe. Anhand von elf ausführlichen biographischen Interviews spürt die Autorin den besonderen Motiven nach, im Dritten Lebensalter ehrenamtlich tätig zu werden. Ein wesentlicher Befund: Es kommt noch einmal zu einer bedeutenden Neuorientierung der Identität, die vor allem aus einer krisenhaften Situationen am Ende der Erwerbsarbeit hervorgeht. Das Bürgerschaftliche Engagement ist in dieser Zeit der Identitätskonstruktion ein wesentlichen Faktor der Sinnbildung, der zudem wichtige gesellschaftliche Anerkennung verschafft. Nach dem oft unfreiwilligen Verlust der Erwerbsarbeit bietet das Bürgerschaftliche Engagement neue Muster für eine gemeinnützigen Wertorientierung, die gesellschaftliche Anerkennung eigener Fähigkeiten und ist zudem Garant für eine gute soziale Vernetzung im Alter. Insofern kann man das Dritte Lebensalter auch als Experimentierfeld für "Lebensstilpioniere" verstehen, die sich jenseits der Erwerbsarbeit auf die Sinnsuche zwischen einer vita activa und vita contempletativa macht.

Adalbert Evers; Birgit Riedel: Engagementförderung mit eigenem Profil. Der Verbund der Freiwilligenzentren im Deutschen Caritasverband. Gutachten. Materialienreihe des Verbunds Freiwilligen-Zentren im Deutschen Caritasverband, Freiburg 2004

Zu bestellen über: Referat Gemeindecaritas, Postfach 420, 79004 Freiburg, E-Mail: freiwilligenzentren@caritas.de
Die 39 im Deutschen Caritasverband zusammengeschlossenen Freiwilligenzentren (FZ) bilden ein Herzstück der Freiwilligenagenturen (FA) in Deutschland. Hervorgegangen aus einem Modellprojekt, das seit 1995 wirksam ist, unternimmt die vorliegende Arbeit eine empirische und inhaltliche Zwischenbilanz. Resümierend stellen die Autoren fest, dass die FZ in hohem Maße darin erfolgreich waren, Anlaufstellen und Entwicklungsagenturen für Bürgerschaftliches Engagement zu bilden. Die Bindung an den Träger ist eher lose, was auch dazu führt, dass die FA kaum eine Rolle in der internen Organisationswicklung von Caritas-Einrichtungen und Pfarreien im Hinblick auf ein modernes Freiwilligenmanagement spielt. Hier sehen die Gutachter Nachholbedarf. Vor allem die größeren und stabileren Einrichtungen betreiben neben der Vermittlungstätigkeit zunehmend Fortbildung und Organisationsentwicklung. Vielfach sind die FZ aber höchst fragile Gebilde mit geringen und unsicheren Personalkontingenten.

Bernd Wagner (Hg.): Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und Bürgerschaftliches Engagement in der Kultur. Dokumentation eines Forschungsprojektes. Klartext Verlag, Kulturpolitische Gesellschaft Bonn und Essen 2000

Dieses vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt untersucht an ausgewählten Städten (Nürnberg, Hannover, Frankfurt/Oder, Osnabrück) das freiwillige Engagement im Kulturbereich. Aus den erhobenen Befunden werden Schlüsse für die zukünftigen Ausbildungsstrategien für Kulturarbeiter und Kulturmanager gezogen.

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hg.): Freiwilliges Engagement in Deutschland - Freiwilligensurvey 1999 - Ergebnisse der Repräsentativerhebung zu Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und bürgerschaftlichem Engagement.

Der sog. Freiwilligensurvey wurde erstmals als Repräsentativerhebung der Bevölkerung in Deutschland ab 14 Jahren durchgeführt. Demnach bezeichnet sich jeder Dritte der Befragten als freiwillig engagiert, und zwar in dem Sinne , dass man in Vereinen, Initiativen etc. aktiv mitmacht und dort unbezahlt oder gegen geringe Aufwandsentschädigung freiwillige Tätigkeiten für andere ausübt. Die Tätigkeitsfelder reichen vom Sport (22%) über Schule und Kindergarten (11 %), Kultur und Musik (10%) bis zu Justiz/Kriminalität (1%). Die meisten üben ihr Engagement in Vereinen oder Verbänden aus (über 50%). Die wichtigsten empirischen Befunde für Bayern finden sich unter dem Gliederungspunkt: Empirische Befunde

Karin Beher; Reinhard Liebig; Thomas Rauschenbach: Das Ehrenamt in empirischen Studien - ein sekundäranalytischer Vergleich. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Schriftenreihen Band 163, W. Kohlhammer, Stuttgart, Berlin, Köln 1998

Der Freiwilligensurvey hat in den Diskussionen um die Höhe und die Ausprägungen des bürgerschaftlichen Engagements eine recht sichere Grundlage geschaffen. Dennoch werden seine Ergebnisse von einigen Wissenschaftlern mit guten Argumenten auch angezweifelt (zum Beispiel, was die festgestellte Größe des Engagements in der Bevölkerung betrifft, die einigen als zu hoch gegriffen scheint). Deshalb ist ein Blick auf andere empirischen Untersuchungen nicht überflüssig geworden. Einen guten Überblick gibt hier das Buch von Beher u. a. , das 43 Studien sekundäranalytisch auswertet, die zwischen 1980 und 1996 zum Ehrenamt erschienen sind, darunter auch die Europäische Länder vergleichende Studie EUROVOL von Gaskin u.a.

Katharine Gaskin; Justin Davis Smith; Irmtraut Paulwitz u.a.: Ein neues Bürgerschaftliches Europa. Eine Untersuchung zur Verbreitung und Rolle von Volunteering in zehn Ländern. Herausgegeben von der Robert Bosch Stiftung,  Lambertus, Freiburg im Breisgau 1996

Erster umfangreicher Ländervergleich zur Rolle, zum Umfang und zur Verschiedenheit der Freiwilligenarbeit in Europa. Die Studie besticht vor allem wegen der jeweiligen historischen und soziologischen Vergleichsperspektive, die deutlich macht, wie bestimmte Traditionen der Demokratie oder des Sozialstaates sich in Formen und Umfang bürgerschaftlichen Engagements niederschlagen. Wünschenswert wäre sicher eine Neuauflage der Untersuchung.

Aktualisiert am 16.05.2009 - Startseite           ▲ nach oben