Ehrenamt und Wirtschaft

In den letzten Jahren zeigte die Debatte um die Bürgergesellschaft, wie verflochten die Bereiche Staat, Wirtschaft und Gesellschaft sind. Bürgergesellschaft steht nicht im Gegensatz zu gewinnorientiertem Wirtschaften. Es gibt durchaus Modelle, die zeigen, wie gewinnbringende Geschäftsstrategien und gemeinorientiertes Engagement zusammengehen können. Ein Stichwort hierzu heißt Corporate Citizenship. Damit ist gemeint, dass sich Unternehmen als Bürger eines Gemeinwesens definieren und in ihrem lokalen Kontext und ihren globalen Geschäftsstrategien auch so handeln. Hieraus können win-win-Situationen zwischen ethischen und gewinnorientierten Zielen entstehen. Ein Unternehmen, das sich als sozial verantwortlich darstellt, sendet damit zugleich auch ein Signal für potentielle Kunden aus.

 

Aus Politik und Zeitgeschichte: Themenheft "Corporate Citizenship", Beilage zur Wochenzeitung "Das Parlament" 31/2008, 28. Juli 2008

Das Themenheft greift neue Formen des Bürgerschaftlichen Engagements von Unternehmen auf: Das enleitende Essay „Wie moralisch sind Unternehmen?" von Ludger Heidbrink stellt die Frage, ob es sich bei dem verstärkten Engagement um eine Art Feigenblatt oder um eine nachhaltige Strategie handelt. Holger Backhaus-Maul liefert eine historische Betrachtung des Unternehmensengagements in Deutschland. Daneben ist vor allem auf die empirischen Ergebnisse des "Forschungszentrums für Bürgerschaftliches Engagement" Paderborn zum gesellschaftlichen Engagement von Unternehmen hinzuweisen - eine bisher in seiner Breite der Befragung beispielloses Projekt (Sebastian Braun). Jackson Janes und Tim Stuchtey geben einen vergleichenden Blick auf die US-amerikanische Situation, die kritischer zu beurteilen ist, als manch gläubiger Befürworter des US-Kapitalismus es wahrhaben möchte. Viel stärker als in Deutschland wird dort Engagement als Investition verstanden, die sich auszahlen muss. Entsprechend ist das größte gemeinnützige Unternehmensengagement auch für Universitäten feststellbar, die den Führungsnachwuchs ausbilden sollen. Seit 1980 konstatieren die Autoren einen Rückzug des Unternehmensengagements in den USA. Von den jährlich 295 Milliarden US-Dollar an Schenkungen kommen 13 Milliarden von Unternehmen, der Großteil von Privatpersonen. Das Themenheft schließt mit Judith Polterauers instruktiver Übersicht über die Corporate-Citizenship-Forschung in Deutschland. Download des Themenhefts unter www.bpb.de (pdf-Datei, 2,4 MB).

Bertelsmann Stiftung (Hg.): Grenzgänger, Pfadfinder, Arrangeure. Mittlerorganisationen zwischen Unternehmen und Gemeinwohlorganisationen. Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2008

Mittlerweile ist eine ansehnliche Infrastruktur mit Mittlerorganisationen entstanden, die zwischen Wirtschaftsunternehmen und dem gemeinnützigen Dritten Sektor Brücken des Corporate Volunteering schlagen. Der Band stellt in Einzelportraits viele regionale und bundesweit agierende Organisationen vor. Eine Einführung von Gisela Jakob, Heinz Janning und Gerd Placke ordnet das Wachstum der Mittlerorganisationen und ihren zunehmenden Erfolg in die Gesamtentwicklung des Corporate Citizenship in Deutschland ein und beschreibt Standards für ihre organisatorische und personelle Ausstattung. Mit Erscheinen des Bandes wurde die Plattform www.gute-geschaefte-macher.org eröffnet, die eine Landkarte der Mittlerorganisationen enthält.

Wolfgang Keck; Martina Schubert (Hg.): Corporate Social Responibility. Trainingshandbuch. Förderung der sozialen Verantwortung in Klein- und Mittelbetrieben, Wien 2007

Das Trainingshandbuch zeigt kleinen und mittleren Unternehmen Wege zu wirtschaftlichem Erfolg durch praktisch umgesetzte Unternehmensethik. Es verdeutlicht, dass es nicht unbedingt eines hohen Zeit- und Mittelaufwands bedarf, um verantwortliche Unternehmensführung im Kern der Geschäftstätigkeit zu verankern und daraus für Unternehmen und Mitarbeitern gleichermaßen einen Gewinn zu ziehen. In fünf Trainingseinheiten werden die Themen "Einführung in die Unternehmensethik", "CSR am Arbeitsplatz"," CSR und Umweltfragen", "CSR am Markt", "CSR im Gemeinwesen" behandelt; einbezogen werden dabei Erkenntnisse des EU-Pilotprojekts „Förderung der Corporate Social Responsibility in kleinen und mittleren Unternehmen“. Neben kompakten theoretischen Einführungen in die einzelnen Module stehen praktische Übungen im Vordergrund, die Unternehmen in Einzel- und Gruppenarbeiten schrittweise an eine CSR-Strategie heranführen. 12 Fallbeispiele und viele Materialien und Hinweise für die Arbeit in der Praxis ergänzen das Handbuch - zu bestellen beiwww.fofos.at. 

Bertelsmannstiftung (Hg.): Gute Geschäfte. Marktplatz für Unternehmen und Gemeinnützige. Praxisleitfaden. Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2007

Mit dem vorliegenden Leitfaden versucht die Bertelsmann Stiftung, die ursprünglich aus den Niederlanden stammende Marktplatzmethode für Unternehmen und Gemeinnützige auch in Deutschland populär zu machen. Auf der Erfahrungsgrundlage der Modellstandorte Frankfurt/Main, Kassel und Jena wurde praxisnah beschrieben, wie ein Marktplatz vorzubereiten und durchzuführen ist. Der Marktplatz bringt gemeinnützige Organisationen und Unternehmen zusammen. Beide Seiten sollen in einem Sucher-/Bieterverhältnis gegenseitige Vereinbarungen eingehen, die vor allem das Corporate Citizenship kleinerer und mittlerer Unternehmen profilieren können. Die Vereinbarungen enthalten Aufgabe und dazu benötigten Arbeitseinsatz der Mitarbeiter. Am Ende des Marktplatzes werden die getroffenen Vereinbarungen von einem Makler verkündet, der die gesamte Veranstaltung moderiert. Es geht dabei nicht um Geld, sondern um geldwerte Vorteile durch den Einsatz Bürgerschaftlichen Engagements. Zu bestellen unter  www.gute-geschaefte.org oder bei
Bertelsmann Stiftung, Carl-Bertelsmann-Str. 256, 33311 Gütersloh, Tel. 05241 81 81246.

AHA e.V.; Matthias Windisch (Hg.): Persönliches Budget. Neue Form sozialer Leistung in der Behindertenhilfe und Pflege. Nutzerorientierung oder Sparzwang. AG SPAK Bücher, Neu-Ulm 2006

Seit 2003 besteht in Deutschland die Möglichkeit, ein persönliches Budget im Kontext der sozialen Dienstleistungserbringung für behinderte und pflegebedürftige Menschen zu beanspruchen. (SGB IX, § 17 Abs. 2 bis 4) Diese in den skandinavischen Ländern, in Holland und Großbritannien schon weit verbreitete Form, die Nachfrage sozialer Dienstleistungen zu regeln, setzt im Prinzip auf eine Mündigkeit des handelnden, kompetenten Nutzers und wendet sich vom Modell der Fürsorge deutlich ab. Der Nutzer erhält ein persönliches Budget, mit dem er auf einem beschränkten Markt selbst bestimmen kann, welche Hilfen und Leistungen in seiner Situation einzukaufen sind. Das Persönliche Budget ist im optimalen Sinn mit einem kompetenten Case-Management gekoppelt, in dem ein erfahrener Fallmanager den Nutzern als unabhängiger Berater zur Seite steht. Diese Art, soziale Dienstleistungserbringung neu zu regeln, wird in Deutschland noch kaum nachgefragt. Sie bietet allerdings die prinzipielle Möglichkeit, marktwirtschaftliche Elemente mit verbesserten persönlichen Entscheidungsbefugnissen der Betroffenen zu kombinieren. In dieser Kombination liegt aber auch eine Gefahr, das persönliche Budget zum Sparmodell zu degradieren. Der Band diskutiert das persönliche Budget zwischen Sparzwang und Nutzerorientierung an konkreten Beispielen im europäischen Ausland und anhand von deutschen Modellprojekten, in denen das persönliche Budget erprobt wurde.

Yannik Vanderborght; Philippe van Parijs: Ein Grundeinkommen für alle? Geschichte und Zukunft eines radikalen Vorschlags. Mit einem Nachwort von Claus Offe. Campus Verlag, Frankfurt/Main 2006

In der Diskussion um die Zukunft der Arbeitsgesellschaft bzw. in der erweiterten Perspektive einer Tätigkeitsgesellschaft, die Erwerbsarbeit, Familienarbeit und Bürgerschaftliches Engagement zusammendenkt, spielt immer wieder die Idee eines Grundeinkommens herein. Damit ist nicht nur eine ökonomische Absicherung gegenüber Arbeitslosigkeit und Armut gemeint (wie etwa im garantierten Mindesteinkommen). Viele Varianten des Grundeinkommens setzen auch ein neues gesellschaftliches Denken voraus, in dem Erwerbsarbeit nicht mehr das Lebenszentrum bildet. Durch ein Grundeinkommen könnte mehr Zeit in gemeinwesenorientierte Arbeit investiert werden. Der vorliegende Band stellt die wichtigsten theoretischen Varianten des Grundeinkommens vor und verfolgt die Geschichte dieser Idee bis auf seine Wurzeln in der frühen Neuzeit. Die Autoren definieren Grundeinkommen dabei mit einer übergreifenden Charakteristik, wonach es von einem politischen Gemeinwesen an alle Mitglieder individuell ohne Bedürftigkeitsprüfung und Gegenleistung ausbezahlt wird.

Felix Dresewski: Corporate Citizenship. Ein Leitfaden für das soziale Engagement mittelständischer Unternehmen.  Unternehmen: Partner der Jugend, Berlin 2004

Dieser kurze Leitfaden gibt eine Übersicht über Werkzeuge, Vorteile sowie gute Beispiele des praktizierten Corporate Citizenship. Er wendet sich vor allem an mittelständische Unternehmen, weil hier das Potential für soziales Engagement besonders hoch eingeschätzt wird. Während in den USA und Großbritannien das aktive Engagement von Unternehmen über das traditionelle Spendenwesen hinaus schon weit verbreitet ist (so gehören zum Beispiel 600 Unternehmen dem britischen Netzwerk "Business in Community" an), ist dieser Funke auf Deutschland noch nicht recht übergesprungen. Die Vorzeigebeispiele von BMW, Betapharm Augsburg oder Siemens finden sich auch in diesem Buch. Hervorzuheben ist die gute Zusammenstellung der Argumente und Werkzeuge, mit denen sich ein überzeugendes Corporate-Citizenship-Konzept umsetzen lässt. Als Einstieg in das Thema - sowohl für Unternehmen wie soziale Einrichtungen - geeignet.
Bestellung unter www.upj-online.de oder bei UPJ, Tucholskystr. 11, 10117 Berlin

Renate Schubert; Sabina Littman-Wernli; Philipp Tingler: Corporate Volunteering. Unternehmen entdecken die Freiwilligenarbeit. Haupt Verlag, Bern, Stuttgart, Wien 2002

Corporate Volunteering wurde in den letzten Jahren fast zum Medienereignis. Projekte wie Switch oder Seitenwechsel wurden vielfach in Zeitungen und Fernsehen vorgestellt. Absicht dieser Vorhaben, die Manager aus Wirtschaftsunternehmen in soziale Einrichtungen vermitteln, ist vor allem die Erweiterung sozialer Kompetenzen in ungewohnte Kontexte wie Obdachlosenheime oder die Drogenhilfe. Die hierzulande eher noch spärlich ausgebaute Landschaft des Corporate Volunteering kann in der Schweiz schon auf eine längere Tradition zurückblicken. Neben der Klärung der Begriffe und Strategien umfasst der Band verschiedene Praxisbeispiele gemeinwohlorientierter Einsätze von Unternehmen (z.B. von Partnerschaftstage, Seitenwechsel u.a.). 

Diethelm Damm; Reinhard Lang; UPJ Bundesinitiative: Handbuch Unternehmenskooperation. Erfahrungen mit Corporate Citizenship in Deutschland. Stiftung Mitarbeit, Bonn 2001

Die UPJ-Bundesinitiative (Unternehmen: Partner der Jugend) hat sich seit Jahren als wichtige Informations- und Anlaufstelle rund um die Beziehungen zwischen Wirtschaft und gemeinwohlorientiertem Bereich etabliert. UPJ bietet Unternehmen, sozialen Organisationen, Politik und Verwaltung Informationen über Corporate Citizenship, gute Beispiele sozialen En

www.gute-geschaefte-macher.org

Engagement von Unternehmen, praktische Arbeitshilfen und Erfahrungen mit der Initiierung von Kooperationsprojekten. Bundesweit und regional ist UPJ Lotse durch die Jugend- und Sozialarbeit im Gemeinwesen und Mittler für neue Partnerschaften. UPJ organisiert einen Erfahrungsaustausch über Konzepte und Instrumente zur Verbesserung der Wirkungen von Corporate Citizenship. Und UPJ qualifiziert den Prozess durch Praxisforschung, Fachtagungen, Expertisen und Beratung. Die vorliegende Studie zeigt umfassend die Möglichkeiten von Kooperationen von Wirtschaft und sozialen Einrichtungen und bietet Argumente, wie die Voraussetzungen einen guter Zusammenarbeit aussehen müssen. UPJ ist auch online unter www.upj-online.de mit aktuellen Information rund ums Thema Corporate Citizenship erreichbar.

Aktualisiert am 10.12.2008 - Startseite           ▲ nach oben