Bürgerschaftliches Engagement und die Zukunft der Arbeit

Erwerbsarbeit und Bürgerschaftliches Engagement haben vielfältige Schnittstellen: Im Leben des Einzelnen geht es darum, die vorhandene Lebenszeit befriedigend zwischen Muße, Erwerbsarbeit, Familie und Engagement aufzuteilen. Aber auch für die Gesellschaft stellt sich angesichts von über vier Millionen Arbeitslosen die Frage, ob wir es uns leisten können, dass so viele Kompetenzen verloren gehen, weil sie vom Wirtschaftsprozess offensichtlich nicht gebraucht werden. Ist hier bürgerschaftliches Engagement ein Weg, diese Kompetenzen zu nutzen? Schließlich zeigt sich auch an der Frage der Bezahlung oder Entschädigung, dass Ehrenamt und Erwerbsarbeit durchlässige Grenzen haben. Es gibt durchaus Ehrenämter, die besser bezahlt werden als Minijobs.

 

Hessisches Sozialministerium; LandesEhrenamtsagentur Hessen (Hg.): „Ohne Moos nix los?!“ Wie viel Bezahlung verträgt das bürgerschaftliche Engagement? Dokumentation zur Fachtagung Februar 2007

Die Tagungsdokumentation beschäftigt sich mit der brandaktuellen Thematik, dass die Bedeutung der monetären Belohnung im Bürgerschaftlichen Engagement zunimmt. Bundesmodellprojekte wie generationenübergreifende Freiwilligendienste und Mehrgenerationenhäuser oder die Erhöhung der steuerfreien Aufwandspauschalen durch das Programm „Hilfen für Helfer“ des Bundesfinanzministers beschleunigen diesen Trend. Die Experten wie Heiner Keupp, Adalbert Evers, Gisela Jakob und Hejo Manderscheid geben hierzu sehr interessante und kontroverse Antworten und Einblicke in die gegenwärtige Praxis.
Zu bestellen über : LandesEhrenamtsagentur Hessen, Otto-Fleck-Schneise 4, 60528 Frankfurt am Main
oder als Download (1,25 MB): www.gemeinsam-aktiv.de/mm/OhneMoos_Dokumentation.pdf

Ulrich Beck: Die Zukunft von Arbeit und Demokratie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2000

Ulrich Beck hat mit dem Konzept der Bürgerarbeit für Aufsehen gesorgt. Bürgerarbeit beschreibt eine besondere Form gemeinwohlorientierter Tätigkeit, die in gewissen Grenzen einen finanziellen Gegenwert erzielen soll. Vor allem für Sozialhilfeempfänger könnte dies einen Zuverdienst für freiwillig geleistete Arbeit bedeuten. Der Band leuchtet die Entwicklungen der Erwerbsarbeit im Hinblick auf die Veränderungen des bürgerschaftlichen Bereichs aus. Er zeigt auf, inwiefern freiwillige Tätigkeit ein ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor ist.

Hermann Glaser: Das Verschwinden der Arbeit. Die Chancen einer neuen Tätigkeitsgesellschaft. Econ Verlag, Düsseldorf, Wien, New York 1988

Glasers These ist es, dass die Rationalisierung unserer Wirtschaftsweise auf Dauer dazu führt, dass Erwerbsarbeit dem Volumen nach weniger wird. Damit ist aber nicht unbedingt gesagt, dass sich dieses Volumen auch unter immer weniger Menschen aufteilen muss. Im Gegenteil: Man könnte die ökonomisch notwendige Arbeit sinnvoll aufteilen, um mehr Raum für das zu schaffen, was Glaser im Anschluss an Hannah Arendt "Tätigkeitsgesellschaft nennt". Die Tätigkeitsgesellschaft braucht vielfältige soziale und kulturelle "Werk-Stätten", Orte des gelungenen Lebens und Engagements. Diese künftigen Orte des sozialen Lebens und kulturellen Miteinanders sind Keimzellen der neuen Tätigkeitsgesellschaft, deren Arbeit sich nur noch zum Teil über den Begriff der Erwerbsarbeit definieren lässt. Angesichts der demografischen Veränderungen und der weltweiten Ge24.10.2007gensätze von Reich und Arm wird die Arbeit nicht ausgehen. Wir, so der Autor, sollten ihre Ziele und Methoden selbst gestalten.

André Gorz: Kritik der ökonomischen Vernunft. Sinnfragen am Ende der Arbeitsgesellschaft. Rotbuch, Hamburg 1994

Andre Gorz ist ein bedeutender Kritiker einer Gesellschaftsform, die sich wie die unsrige sehr stark nach ökonomischen Gesichtspunkten richtet. Die Erwerbsarbeit bestimmt unseren ganzen Lebenstakt. Wer keine Arbeit hat, ist letztlich auch überflüssig. Gorz zeigt gegenüber diesen verkürzten Lebens- und Denkmodellen Alternativen auf: Er plädiert für mehr Zeitsouveränität des Einzelnen, einem neuen Verständnis der Arbeit als "Eigenarbeit". Wir sollten, so seine These, unseren Reichtum mehr in Zeit und Gestaltungsmöglichkeiten denn in Waren und materiellen Reichtümern suchen.

Aktualisiert am 24.10.2007 - Startseite           ▲ nach oben