In den letzten Jahren wurde immer deutlicher, dass ein neuer Aufschwung bürgerschaftlichen Engagements auch mit einer Veränderung der zum Teil eingefahrenen Strukturen in sozialer und kultureller Arbeit oder im Bildungsbereich einhergehen muss. Durch die über Jahrzehnte anhaltende Entwicklung zu Hauptamtlichkeit und Professionalisierung sind die Räume für sinnvolles und sinnerfüllendes Engagement kleiner geworden. Unter diesem Blickwinkel werden Methoden diskutiert, wie Organisationen aufgestellt sein müssen, die mit gemischten Teams von Haupt- und Ehrenamtlichen arbeiten. Hierzu sind Methoden des sog. Freiwilligenmanagements notwendig, die vor allem im angelsächsischen Bereich und in den Niederlanden schon zum selbstverständlichen Handwerkszeug sozialer Arbeit gehören.
Die Akademie für Ehrenamtlichkeit in Berlin hat seit Jahren mit ihren Fortbildungen zum Freiwilligenmanagement einen überregionalen Ruf. Der vorliegende Band gibt Einblick in die Methoden und Inhalte dieser vor allem im englischsprachigen Ausland verbreiteten Technik. Im ersten Teil werden die empirischen und historischen Grundlagen des Ehrenamts dargelegt und sein Strukturwandel verdeutlicht. Der zweite Teil unterstreicht die Notwendigkeit eines methodisch geordneten Arbeitsstils in der Führung ehrenamtlicher Teams und der Konzipierung bürgerschaftlicher Tätigkeitsfelder. Abschließend wird das Alltagsgeschäft des Freiwilligenmanagements von der Gewinnung Ehrenamtlicher über ihre Einarbeitung und praktischen Begleitung und Anerkennung vorgestellt.
In einem groß angelegten Bundesmodellprogramm wurden bis 2006 an die 1000 seniorTrainerInnen für Aufgaben im Bürgerschaftlichen Engagement qualifiziert. Das Rahmencurriculum zu der neuntägigen Ausbildung ist als download unter www.efi-programm.de/dokumente/projektsteuerung/info14.pdf zu erhalten.
Das umfassende Handbuch behandelt Probleme des Managements im Non-Profit-Bereich vom Marketing über das Personalmanagement bis zur Buchführung. Ein Kapitel widmet sich in diesem Zusammenhang dezidiert dem Thema der ehrenamtlichen Tätigkeit im Non-Profit-Sektor. Als Leserschaft für das Handbuch kommen eher verantwortliche Hauptamtliche der sozialen Arbeit in Frage.
Der Begriff der "hybriden Organisationsform" meint die durch die Krise der öffentlichen Finanzen einerseits und die Zunahme bürgerschaftlichen Engagements andererseits ausgelöste Entwicklung, die zu immer mehr gemischten Teams von Hauptamtlichen, Nebenamtlichen, Ehrenamtlichen und Projektmitarbeitern in Gemeinwohlunternehmen führt. Dadurch werden neue Führungsaufgaben und Kommunikationsstrategien erforderlich. Diese gemischten Teamstrukturen müssen zunehmend mit einem Ressourcenmix zur Verfügung gestellter Mittel zu Rande kommen, die aus unterschiedlichen Quellen der öffentlichen, halböffentlichen und privaten Hand stammen. Die neuen Organisationsformen sind also Mischsysteme aus Markt- und Staatselementen mit einer wachsenden gesellschaftlichen Komponente sozialen Kapitals, die als eigenständige Ressource der Zivilgesellschaft immer notwendiger wird, um überhaupt die notwendigen Dienstleistungen zu erbringen. Die Studie belegt diese Entwicklung hin zu hybriden Organisationen anhand von Beispielen aus Schule, Kultur und Sport, Altenpflege und Altenhilfe.
Das Buch enthält die Beiträge einer Tagung der Fachhochschule Würzburg. Die Autoren befassen sich u.a. mit den Schwierigkeiten und Schwerfälligkeiten großer sozialer Betriebe im Umgang mit Ehrenamtlichen (Teresa Bock) oder den neuen Herausforderungen an eine moderne Öffentlichkeitsarbeit für das Ehrenamt (Andreas Bönte). Im Zentrum stehen aber Beiträge zur Frage, wie gemischte Teams von Haupt- und Ehrenamtlichen gut und effizient zusammenarbeiten können (Christiane Biedermann, Thomas Kegel, Erika Regnet). Neben der Theorie werden zudem viele praktische Beispiele für diese Kooperation vorgeführt, die von der Museumsarbeit über das freiwillige Engagement im Krankenhaus bis zu Projekten des Corporate Volunteering von Unternehmen reichen.
Zunächst arbeitet der Band die Unterschiede zwischen gewinnorientierter Wirtschaft und dem Non-Profit-Sektor heraus. Zentral ist hierbei der Begriff des Stakeholders, also des vielfältigen Interessensgeflechts von Kunden, Klienten, öffentlichen und privaten Geld- und Auftragebern und dem je eigenen Verband, dem eine nicht gewinnorientierte Wirtschaftsweise Rechenschaft ablegen muss. Hieraus entstehen differenziertere und zum Teil widersprüchliche Zielvorgaben des gemeinwohlorientierten Unternehmens, mit denen das Management im Non-Profit-Bereich umgehen muss, ohne dass die Effizienz der Arbeit dadurch eingeschränkt werden darf. Aus den einzelnen vorgestellten Managementansätzen ist vor allen der Aufsatz von Markus Gmür zum umfassenden Prozess des strategischen Managements hervorzuheben. Hier wird mit kurzen Ausführungen das Verfahren der sog. Balanced Score Card vorgestellt, das als komplexes Verfahren die verschiedenen Zielvorstellungen besonders gut einbinden kann.
Der Band beschäftigt sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln vor allem mit der Frage, wie Haupt- und Ehrenamtliche in guten und effektiv arbeitenden Netzwerken zukünftig zusammenarbeiten können. Hierzu macht vor allem der Beitrag von Bartjes und Otto sehr plausible und konkrete Vorschläge. Im weiteren steht dann der anstehende Modernisierungsprozess von Wohlfahrtsverbänden unter dem Blickwinkel einer neuen Freiwilligenkultur im Mittelpunkt. Notwendig scheint allen Autoren eine stärkere Öffnung der Verbände und eine Relativierung der Mitgliederbindung und der stark "versäulten Organisationsgliederung", die traditionell mit dem Engagement im Verband verbunden sind.
Aktualisiert am 24.10.2007 - Startseite ▲ nach oben