Aufgaben und strategische Entwicklungsfelder des Bürgerschaftlichen Engagements in Bayern

Bürgerschaftliches Engagement und Selbsthilfeaktivitäten sind deutlich im Aufwind. Sie werden zunehmend als wichtige Faktoren der demokratischen Weiterentwicklung unseres Gemeinwesens, aber auch in ihrer strategischen Bedeutung für unseren gesellschaftlichen Wohlstand und die Zukunft unserer sozialen Netze anerkannt. 

 

Dabei findet Bürgerschaftliches Engagement bereits auf einer gut ausgebauten Basis statt: Kirchen, Wohlfahrtsverbände, kommunale Agenda 21 und viele weitere Akteure der Zivilgesellschaft haben in den letzten Jahren, zum Beispiel durch Leitbildentwicklungen oder Ehrenamtsgesetze, durch neue Anlaufstellen und Gelegenheitsstrukturen, das Bürgerschaftliche Engagement gefördert und weiter verbreitet. Darüber hinaus greift die Politik viele Empfehlungen aus dem "Bericht zur Lage und zu den Perspektiven des bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland" auf, der ab 2009 zu jeder Legislaturperiode vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend herausgegeben wird, und verbessert die Rahmenbedingungen ehrenamtlicher Tätigkeiten kontinuierlich. In Bayern wurde das Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement eingerichtet, das von der Bayerischen Staatsregierung institutionell gefördert wird. Bürgerschaftliches Engagement konnte dadurch sein politisches und gesellschaftliches Profil schärfen und wurde zu einem eigenständigen Arbeitsfeld, das es weiter auszubauen gilt. Diesen Anspruch einzulösen bedarf weiterhin einer aktiven, Rahmen setzenden Politik des ermöglichenden Staates einerseits und der synergetischen Bündelung der gesellschaftlichen Kräfte andererseits. Dazu trägt u.a. die Expertise des Landesnetzwerks in verschiedenen Arbeitsgruppen des "Nationalen Forum für Engagement und Partizipation" im Rahmen der "Initiative ZivilEngagement" des Bundesfamilienministeriums bei. Bürgerschaftliches Engagement muss zu einer Infrastrukturgröße werden, die als Querschnittsaufgabe in allen Kernbereichen unseres Gemeinwesens ganz selbstverständlich präsent ist. Folgende Aufgaben und strategischen Entwicklungsfelder sollen als Bausteine für eine derartige Infrastruktur aufgefasst werden:

Bürgerschaftliches Engagement und sichere Rahmenbedingungen

Erste Erfolge
Mit der Einführung einer vom Landesnetzwerk geforderten Rahmenversicherung hat das Land Bayern bestehende Lücken im Versicherungsschutz für Unfall- und Haftpflichtrisiken des Ehrenamtes befriedigend abgedeckt. Daneben wurden durch das 10-Punkte-Programm „Hilfen für die Helfer“ der Bundesregierung, nicht zuletzt mit entscheidenden Anregungen der Bayerischen Staatsregierung, Verbesserungen im steuerlichen Bereich geschaffen, die insbesondere die klassischen Strukturen ehrenamtlichen Engagements stärken. Auch das Land Bayern nimmt dafür einen zusätzlichen steuerlichen Einnahmeverlust in Millionenhöhe in Kauf.

Bürgerschaftliches Engagement und Bildung

Aus dem Freiwilligensurvey 2004 geht hervor, dass die Grundlagen des Engagements vor allem in jungen Jahren gelegt werden. Es sollte daher zur Alltagserfahrung von Kindern und Jugendlichen gehören, sich im Gemeinwesen zu engagieren. Hier kommt der Schule eine Schlüsselrolle zu. Die damit verbundene Entwicklung sozialer Kompetenz sollte auch hierzulande mit curricular zu verankernden Methoden des „Service Learning“ unterstützt werden. Einsätze von Schülern in Altenheimen, Patenschaften mit Behinderteneinrichtungen etc. sollten nicht dem zufälligen Engagement einzelner Lehrkräfte überlassen sein. Gerade vor dem Hintergrund einer durch die Staatsregierung angestoßenen intensiveren Werteerziehung an Schulen und dem gleichzeitig forcierten Ausbau der Ganztagsbetreuung ist es an der Zeit, die Verbindung von Bürgerschaftlichem Engagement und Bildung zu intensivieren.

Erste Schritte
Tagung „Schule und Bürgerengagement – Bildung gemeinsam gestalten“ zusammen mit dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement am 24./25. Oktober 2008 in Dillingen, und in der Folge bayernweiter Erfahrungsaustausch von Schüler- und Bildungspaten zur Erarbeitung gemeinsamer Qualitätsstandards.

Bürgerschaftliches Engagement und Ausbildung

An den Bayerischen Fachhochschulen der Sozialpädagogik und anderen Ausbildungsstätten sozialer Berufe ist es noch längst nicht selbstverständlich, dass auf den Umgang mit ehrenamtlichen Mitarbeitern und Selbsthilfeaktiven in zukünftigen Berufsfeldern entsprechend vorbereitet wird. Methoden des Freiwilligenmanagements und der Selbsthilfeunterstützung sollten an jeder Fachhochschule und jeder Akademie zum Lehrangebot gehören. Zudem sollten in den Ausbildungsgängen für Berufe der öffentlichen Verwaltung Methoden der Unterstützung Bürgerschaftlichen Engagements selbstverständlich Bestandteil des Lehrplans sein.

Erste Erfolge
Einrichtung eines Fort- und Weiterbildungslehrgangs "Professionelles Management von Ehrenamtlichen" als Hochschul-Kooperationsangebot: In 7 Modulen werden Entwicklung und Wandel des Ehrenamts aufgezeigt, rund um die Freiwilligenarbeit Methoden zu Management, Personalentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit vorgestellt, Rechtsfragen und ökonomische Grundlagen beleuchtet.

Bürgerschaftliches Engagement und Qualifizierung der Hauptamtlichen

Auch für Berufstätige, die heute im sozialen Bereich arbeiten, gibt es längst nicht genug Möglichkeiten, sich Methoden des Freiwilligenmanagements anzueignen. Das Landesnetzwerk entwickelte mit Spitzenverbänden der Wohlfahrtspflege eine berufsbegleitende Qualifizierung zur Freiwilligenkoordination. Die Nachfrage ist groß, daher sollte das Angebot in den kommenden Jahren ausgebaut werden. Auch im Bereich der Selbsthilfeunterstützung sind Qualifizierungsmaßnahmen dringend notwendig: Die Selbsthilfekoordination Bayern (SeKo) schließt hier eine Lücke mit Fortbildungsangeboten zur Selbsthilfeberatung.

Erste Schritte
Dreitägiger Workshop „Mit Ehrenamtlichen professionell arbeiten“ für Haupt- und Ehrenamtliche zum Thema Freiwilligenmanagement, der vier Mal jährlich in Zusammenarbeit mit der Hanns-Seidel-Stiftung und dem bayerischen Landes-Caritasverband, Diakonischem Werk und Paritätischem Wohlfahrtsverband durchgeführt wird. 

Bürgerschaftliches Engagement und Qualifizierung der Ehrenamtlichen

In Zukunft werden zunehmend kompetente Ehrenamtliche aktiv sein, die für ihre Tätigkeitsfelder zusätzliche Qualifizierungen benötigen. Vor diesem Hintergrund erscheint es wichtig, z.B. bayernweite Angebote zur Qualifizierung von Selbsthilfeaktiven zu entwickeln und anzubieten. Deshalb ist zu begrüßen, dass das bayerische Sozialministerium das Modellprojekt „Erfahrungswissen für Initiativen“ (EFI) weiter fördert.  

Erste Schritte
Im Rahmen des bundesweiten Programms "Freiwillligendienste aller Generationen" ist Qualifizierung ein wichtiger Baustein, der gesetzlich vorgeschrieben ist: Die Freiwilligen haben Anspruch auf mindestens 60 Stunden Fort- und Weiterbildung pro Jahr. In Bayern übernimmt das Landesnetzwerk die Koordinierung der Qualifizierung. Erklärtes Ziel ist es, für Bayern langfristig ein flächendeckendes Netzwerk im Qualifizierungsbereich zu schaffen.

Erste Erfolge
Ausbau und Weiterführung des Modellprojektes „Erfahrungswissen für Initiativen“ in Bayern, das Ehrenamtliche zur eigenständigen Entwicklung von Projekten qualifiziert und damit den Auf- und ggf. Ausbau eines Netzes von qualifizierten Mentoren des Bürgerschaftlichen Engagements ermöglicht. Das Programm richtet sich vor allem an erfahrene Menschen, die nach der Berufsphase bzw. Familienpause eine sinnvolle Tätigkeit suchen.

Bürgerschaftliches Engagement und kommunale Infrastruktur

In jeder Stadt und in jedem Landkreis muss die Devise gelten: Wir benötigen für Menschen, die sich engagieren wollen, vor allem zwei Dinge – eine verlässliche Stelle, an der alle wichtigen Informationen rund um das Bürgerschaftliche Engagement abgerufen werden können, und viele attraktive Einsatzmöglichkeiten für all jene, die sich engagieren wollen. Der Freiwilligensurvey 2004 sieht gerade hier den größten Bedarf. Deswegen wird in Bayern konsequent am weiteren Aufbau verlässlicher und stabiler Infrastrukturen weitergearbeitet: Jeder kreisfreien Stadt und jedem Landkreis eine Anlaufstelle für Bürgerschaftliches Engagement und Selbsthilfe! Dafür sollen die gewachsenen Strukturen vor Ort ausgebaut und auf sichere finanzielle Füße gestellt werden. In größeren Städten und großen Landkreisen hat sich außerdem eine differenziertere Unterstützungsstruktur bewährt: Selbsthilfekontaktstellen und Freiwilligenagenturen, die eng kooperieren, aber ein eigenes, zielgenaues Arbeitsprofil haben. Erforderlich wäre hier auch die Überarbeitung von Jugend- und Altenhilfeplanung hinsichtlich kommunaler Einsatzmöglichkeiten für Ehrenamtliche. Dabei besteht die Notwendigkeit, eine klare Abgrenzung vorzunehmen von Aufgaben, die nur Fachpersonal übernehmen kann. Keinesfalls darf ehrenamtliches Engagement als Lückenbüßer dienen, um den Abbau von professioneller Sozialarbeit zu rechtfertigen. Begonnen werden könnte ein derartiges Unterfangen an der Entwicklung von Modellstädten und -landkreisen, die zur Nachahmung anregen. Bürgerengagement umfasst auch Bürgergeld: Insofern sollte weiter zu einer Kultur des Stiftens bzw. zur Gründung von Bürgerstiftungen angeregt werden.

Erste Schritte
Die dem Landesnetzwerk angeschlossenen Partner (Koordinationsstelle für Selbsthilfe Bayern, Landesarbeitsgemeinschaft für Freiwilligenagenturen und Netzwerk der Mütter- und Familienzentren) beraten Kommunen mit dem Ziel, ehrenamtliche Strukturen vor Ort zu fördern und die Gründung von neuen Freiwilligenagenturen und Mütter- und Familienzentren in Bayern zu initiieren. So ist als Folge dieser Initiative beispielsweise bis 2009 die Gründung von 18 neue Freiwilligenagenturen zu verzeichnen. Auf der Landesnetzwerk-Website sind unter dem Navigationspunkt "Anlaufstellen" alle dem Netzwerk angeschlossenen Einrichtungen über eine regionale Suchfunktion zu finden.

Zukunft der ländlichen Entwicklung

Der ländliche Raum steht in einem großen Wandel: Neben prosperierenden Regionen in der Nähe der großen Städte gibt es viele Gebiete, die von Abwanderung und Auszehrung bedroht sind. Um gerade hier die sozialen Netze zu stärken, wird es ganz besonders auf den Faktor „Bürgerschaftliches Engagement und Selbsthilfe“ ankommen. Modelle und Projekte der Nachbarschaftshilfe sollten Baustein der ländlichen Entwicklung werden. Sie können die klassische Vereinslandschaft sinnvoll ergänzen, die in ihrer integrativen Funktion stärker politisch gefördert werden sollte. 

Erste Schritte
Mitwirkung des Landesnetzwerks an der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum und im Beirat der Schulen der Dorf- und Landentwicklung: Stärkung des Stellenwerts Bürgerschaftliches Engagement im Ländlichen Raum.

Erste Erfolge
Das Bayerische Staatsministerium plant zur Unterstützung des Aufbaus von Strukturen für Bürgerschaftliches Engagement im strukturschwachen ländlichen Raum ab 2010 eine Modellförderung für drei Jahre: Landkreise und kreisfreie Städte des ländlichen Raums Bayerns können Fördermittel beantragen, sofern sie Eigenmittel in mindestens gleicher Höhe wie die staatliche Förderung bereitstellen.

Bürgerschaftliches Engagement und Familienförderung

Generationensolidarität und eine förderliche Kultur des Aufwachsens von Kindern sind die Schlüsselanliegen, die über die Zukunft unserer Gesellschaft insgesamt entscheiden werden. Das kann nicht nur Anliegen staatlicher Förderpolitik sein – die Zivilgesellschaft ist gefragt. Viele Engagementformen wie zum Beispiel Mütterzentren und Familienselbsthilfegruppen wenden sich schon heute an junge Familien. Mit dem Bundesmodellprojekt „Mehrgenerationenhaus“ und den vorhandenen „Bündnissen für Familien“ bzw. „Familientischen“ gibt es eine gute Ausgangsposition, die weiter ausgebaut werden kann.

Erste Erfolge
Solidarische Wohnformen im Alter können hohe Heimkosten verhindern. Seit 2008 unterstützt das Bayerische Sozialministerium mit einem neuen Förderprogramm den Auf- und Ausbau neuer Wohnformen.
Auf Initiative des Landesnetzwerks planen der Deutsche Kinderschutzbund, der Katholische Deutsche Frauenbund, das Netzwerk der Mütter- und Familienzentrum und das Zentrum Aktiver Bürger mit Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums ein "Netzwerk Familienpatenschaft" in Bayern: Flächendeckend sollen Familienpatenschaften mit einheitlichen Qualitätsstandards aufgebaut und begleitet werden.

Bürgerschaftliches Engagement und eine Kultur der öffentlichen Anerkennung

Der „Bürgerkulturpreis des Bayerischen Landtags“ und der „Ehrenamtsempfang des Ministerpräsidenten“ sind wichtige Formen öffentlicher Wertschätzung. Dennoch ist zu konstatieren: In Bayern gibt es diesbezüglich noch einiges zu tun. Ehrenamts-Galas wie in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz finden wenigstens einmal im Jahr hohes Publikumsinteresse und werden vom Fernsehen übertragen, eine Medienpartnerschaft wie die von ZDF mit der Bundeswoche des Bürgerschaftlichen Engagements sorgt für umfassende Berichterstattung. So könnte auch die öffentliche Aufmerksamkeit für den Bürgerkulturpreis enorm gesteigert werden.

Erste Schritte
Der bayernweit geplante Einsatz einer Ehrenamtscard wird derzeit in Cham in einem Modellversuch erprobt.

Erste Erfolge
Ein landesweiter Kompetenznachweis, der unter anderem bei Bewerbungen und Studienplatzwahl eingesetzt werden kann, geht am 30.11.2009 an den Start.
Die ARD organisierte 2009 erstmals eine "Themenwoche Bürgerschaftliches Engagement", an deren umfangreicher Vorbereitung das Landesnetzwerk beratend beteiligt war.

Bürgerschaftliches Engagement und Wirtschaft

In vielen Bereichen der Wirtschaft besteht in Deutschland ein Mäzenatentum und Sponsoring auf hohem Niveau. Lokale Ereignisse und Initiativen werden insbesondere von ortsansässigen kleinen und mittleren Unternehmen unterstützt. Das Ehrenamt spielt in der Arbeit der Handwerks- und Handelskammern eine wichtige Rolle, zum Beispiel im Prüfungswesen. Darüber hinaus wächst das Interesse an neuartigen Engagementformen des „Corporate Volunteering“, mit dem Unternehmensmitarbeiter pro bono Wissen und Arbeitszeit für gemeinnützige Einrichtungen zur Verfügung stellen. Allerdings gibt es dabei bisher selten Vernetzungen und Synergien: Noch immer sind es einzelne Unternehmen, die hier eine Vorbildrolle einnehmen. Die Politik sollte sich der Aufgabe annehmen, für diese neuen Engagementformen bei den Unternehmen zu werben. Zivilgesellschaft und Wirtschaft müssen sich auf Augenhöhe begegnen und eine gegenseitige Win-win-Situation schaffen. 

Bürgerschaftliches Engagement und Integration

Ob im Sportverein, in Selbsthilfegruppen, beim Vorlesen im Kindergarten oder in der ehrenamtlichen Hausaufgabenhilfe: Im Ehrenamt entwickeln sich menschliche Kontakte, die viel zum gegenseitigen Verständnis beitragen können. Integration ist ein wechselseitiger Prozess, in dem Beteiligung, aktive Mitgestaltung und Mitverantwortung der Migrantinnen und Migranten eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehört auch das Bürgerschaftliche Engagement, das sowohl Indikator wie auch Motor für Integration ist. Neben dem bereits vielfach unterstützten Engagement der Einheimischen für Migrantinnen und Migranten muss daher vor allem die Entwicklung guter Rahmenbedingungen für das gesellschaftliche Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund gefördert werden. Nur so lässt sich das hohe Engagement, wie es z.B. in den Migrantenselbstorganisationen zu finden ist, als Beitrag zum Sozialkapital der gesamten Gesellschaft nutzen. Gelungene Modelle und Projekte wie Stadtteilmütter oder ehrenamtliche Integrationslotsen könnten auf Bayern übertragen werden.

Erste Schritte
Das Projekt „gemeinsam engagiert“, getragen von der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Bayerns (AGABY) und vom Landesnetzwerk, bietet Unterstützung und Beratung für die Arbeit von ehrenamtlich engagierten Migrantinnen, Migrantenselbstorganisationen sowie Integrations- und Ausländerbeiräten in Bayern.

Bürgerschaftliches Engagement als politische Querschnittsaufgabe

In Bayern bestehen verschiedene Programme, die das Bürgerschaftliche Engagement fördern: Hierzu gehören die Dorferneuerung und Leader+ (Landwirtschaftsministerium), Soziale Stadt (Innenministerium/Oberste Baubehörde), Agenda 21 (Umweltministerium), Landesplanung (Wirtschaftsministerium), Bürgerschaftliches Engagement (Sozialministerium). Vielfach ist festzustellen, dass inhaltlich an den gleichen „Baustellen“ gearbeitet wird, ohne von den Erfahrungen der anderen systematisch zu profitieren. Hier bemüht sich das Landesnetzwerk um eine bessere Vernetzung.

Erste Schritte
Kommunalberatung für das „Netzwerk Nachhaltige Bürgerkommune“, eine Initiative des Bayerischen Umweltministeriums, das als Plattform für aktive Kommunen mit spezifischen Angeboten zu Bildung, Vernetzung, Kommunikation und Weiterentwicklung in verschiedenen Bereichen aufgebaut wird. Das Landesnetzwerk betreut dabei den Qualitätszirkel „Aktivierung von Bürgerschaftlichem Engagement“.

Erste Erfolge
Im Auftrag des Bayerischen Umweltministeriums entwickelte das Landesnetzwerk zusammen mit dem "Netzwerk Nachhaltige Bürgerkommunen" das "Gütesiegel Nachhaltige Bürgerkommune".

Das Bürgerschaftliche Engagement und das "Gute Beispiel"

Das Bürgerschaftliche Engagement verbreitet sich vor allem über das Gute Beispiel. Man sah es im Hospizbereich, im Bereich der Gesundheitsselbsthilfe genauso wie bei den Tafelprojekten, die sich mit enormer Geschwindigkeit entwickelten. Insofern sollte stärker als bisher die Möglichkeit gegeben sein, gute Ideen zu fördern bzw. mit Modellprojekten Impulse zu setzen.

Erste Schritte
Das Modellprojekt „Große für Kleine“ zur Förderung des ehrenamtlichen Engagements in Kindertageseinrichtungen, das 2005 erfolgreich in Bremen, Halle und Nürnberg erprobt wurde, soll 2009 auf zehn bayerische Standorte übertragen werden. Ebenso ist eine Ausweitung der Idee "Familienpatenschaft" auf ganz Bayern geplant (siehe "Bürgerschaftliches Engagement und Familienförderung").
Auch die Guten Beispiele im Kleinen werden in der Arbeit des Landesnetzwerks berücksichtigt: In einer Datenbank können über 100 innovative wie bewährte Modelle, Projekte und Initiativen, die sich zur Verbreitung und Nachahmung eignen, sortiert nach gewünschten Arbeitsfeldern abgerufen werden.

Das Bürgerschaftliche Engagement braucht stabile Finanzierungsgrundlagen

Länderinitiativen des Bürgerschaftlichen Engagements sollten perspektivisch – wie von der Expertenkommission 2001 vorgeschlagen – eine Landesstiftung Bürgerengagement zum Ziel haben. Heute ist vieles nur dank – begrenzter – Projektmittel möglich. Obwohl sich viele Modelle bewährt haben, fehlt die Anschlussfinanzierung und damit die Nachhaltigkeit. Das gilt auch für die Landesebene. Ein Grundstock einer verlässlichen Finanzierung könnte aus Privatisierungserlösen gebildet werden, weitere Stiftungsmittel könnten – wie bei der erfolgreichen Stiftung Bildungspakt – durch Zustiftung von Wirtschaft und Drittem Sektor akquiriert werden. In Baden-Württemberg beispielsweise spielt die Landesstiftung eine sehr aktive Rolle in der Finanzierung von Programmen Bürgerschaftlichen Engagements. Dies wäre auch für eine Bayerische Landesstiftung ein sinnvolles Ziel. 

Stand: Oktober 2009

Aktualisiert am 30.10.2009 - Startseite           ▲ nach oben